Hallo erstmal

Die Horde der Finsternis

horde… setzt sich aus Magiranern aller Völker zusammen, die sich gemeinsam mit den Geschöpfen der Nacht wie Werwesen, Dags und Untote um Dämonenlord Sataki gescharrt haben, um dem Bösen auf Magira erneut Einzug zu verschaffen. Nach dem Ende der Finsternis blieb einer der dunklen Feldherren, nämlich Sataki, auf Magira zurück. Er sammelte die Horde um sich, und es gelang, über lange Zeit den Nor Urassus besetzt zu halten und eines der größten Reiche aufzubauen, die Magira je sah. Doch die Horde besitzt nur eine grobe Struktur; beständige Machtkämpfe und Intrigen, Gewalt und Gier beherrschen den täglichen Umgang. Im Mittelpunkt stehen die Streitkräfte. Den Dämonenlord berät der Rat der Dämonen, bestehend aus den Schädelträgern und Skelettkriegern. Zur Zeit auf der im Ewigen Ozean liegenden Schädelinsel lagernd, warten die dunklen Armeen auf die erneute Rückkehr nach Magira.

Literarischer Tipp: Karl Edward Wagners »Kreuzzug des Bösen«.

Die Horde der Finsternis ist eine Arbeitsgruppe in FOLLOW – mehr Informationen hier http://www.follow.de

Posted in Allgemein | Leave a comment

Einflüsterungen

»Blitze zuckten wie die Finger eines arthritischen Hexers über meinen Leib.« Genau so würde sein Bericht beginnen, feixte Rho als die Blitze eines arthritischen Zauberers sich in seinen dämonischen Körper fraßen. Seine Flügel waren von den magischen Pfeilfallen am Eingang des Kerkers zerfleddert worden, so rannte er den Gang entlang in den tiefsten Teil des Komplexes. Armbrustbolzen surrten eng an seinem Kopf vorbei. Rufe, angst- und hasserfüllt begleiteten seine Schritte. Sie waren ihm dicht auf den Fersen. Noch zehn Schritte, dann würde er das letzte Tor erreichen. Dieses sollte eigentlich Smirok, einen Schwarzer Zwerg aus Ureban, aufbrechen, doch den hatten eine magische Falle kurz hinter dem Eingang erwischt. So blieb Rho nur der dämonische Weg: Mit einem Schrei des Triumphs sprang er, rammte seine Hörner in das Tor und … blieb stecken.
»Ein Glück, dass niemand das hier sieht, der morgen noch lebt«, grummelte er benommen, während er gegen die Ohnmacht ankämpfte. Zu seinem Glück fand genau in diesem Augenblick ein Bolzen sein Ziel in seinem Gesäß. Das saß. Und holte ihn zurück unter die Erde. Mit einem Schmerzensschrei riss er seinen Kopf aus dem Tor, drehte sich um und spuckte einen breiten Flammenstrahl den Gang hinauf. Die Verfolger warfen sich zur Seite, was ihm genug Zeit gab, die Reste des Tors mit seinen Klauen niederzureißen. Augenblicke später war er hindurch, sprang über die letzten magischen Siegel und stand auf der Kuppel, die den Gefangenen hielt.
Der Gefangene. Rho wusste wenig über ihn, außer dass diese Menschen ihn vor Hunderten von Jahren einsperrten. Sein Gewährsmann aus dem Ministerium für Geschichtsschreibung und Propaganda hatte kaum was über ihn herausgefunden. Flüsterer nannten sie ihn, ein recht unspektakulärer Name, der auf seine Gefährlichkeit hindeutete. Allein die Tatsache, dass er eingesperrt war, war für Rho Grund genug, ihn zu befreien. Im Namen der Horde, im Namen der Freiheit!
Während er den Bolzen aus seinem Hintern entfernte, hinkte Rho über die Kuppel. Er schnüffelte, fand die Feldlinien der Wächtersiegel. Schwierig. Die Dinger waren nicht nur innen, sondern auch nach außen gesichert. Probeweise versuchte er sie mit den Krallen zu zerfetzen – mit dem Erfolg, daß eine magische Entladung seinen Zeigefinger verkohlte.
Ein leises Raunen zog durch seinen Kopf, ein Verlangen beseelte ihn, die Kuppel einzureißen. Nicht, dass dies bei Dämonen viel Eindruck geschunden hätte, aber beseelt zu werden, das machte ihn irgendwie fröhlich.
»Bin dabei!«, rief er. Und machte damit den Wächter-Zauberer auf sich aufmerksam, der als Mutigster seinen Kopf durch das Loch im Tor gereckt hatte. Schneller als Rho einen Stein werfen konnte, war er auch schon wieder verschwunden. Fieberhaft suchte Rho nach einer Schwachstelle im Bannsiegel, während vor dem Tor okkulte Formeln geschrien wurden. Rhos Ohren stellten sich auf, ein kalter Schauer lief über seinen Rücken. Sicher, Rho war gerade dabei die Wächter ihres Lebenszwecks zu berauben, aber er hätte nicht gedacht, dass der Zauberer so weit gehen würde. Eine Beschwörung? Der Alte opferte einen Teil seiner Seele, röchelte sie heraus in Stimmband-zerfetzenden Silben. Dann explodierte der Rest des Tores nach innen.
»Du?« Zwei dämonische Stimmen grollten überrascht durch den weiten Saal. Die beiden Kontrahenten beäugten sich misstrauisch, unentschlossen.Sinco erholte sich schneller von der Überraschung. Seine giftigen Tentakeln schossen nach vorne, leicht zur linken von Rho, drängten ihn nach rechts. Skatpartner oder nicht, ein Vertrag war ein Vertrag und die Seele des Zauberers war viel wert. Rho rollte sich nach rechts und rammte seinen Fuss unter eine lose Kachel im Boden. Dann blickte er schockiert auf den Fuss, dann ängstlich auf seinen Skatpartner. Sinco zischelte siegessicher. Mit einem gewaltigen Satz sprang er auf den Gehörnten zu, die drei breiten Hufe voran. Rho wartete bis zum letzten Augenblick, zog den Fuß aus dem Boden und machte einen Schritt zur Seite. Sincos Hufe schlugen in den Stein ein wie Onagerkugeln, rammten durch die Bannsiegel und die Kuppeldecke. Mit einem überraschten »Du Arsch!« verschwand er im Dunkel darunter. Rho grinste sein Haifischgrinsen, blickte zu dem schockierten Zauberer hinüber und sprang hinterher.
Auf halbem Weg fiel ihm ein, dass seine Flügel kaputt waren.
Die Kuppel hatte einen Abgrund verdeckt, einen Abgrund voller scharfer Grate und spitzer Stalagmiten. Einer davon hatte Sinco aufgespießt, der nun brüllend versuchte davon loszukommen. Rho prallte von einigen der Steine ab, bis er auf einem breiten Sims aufschlug. Mühsam rappelte er sich auf, blickte sich um. Dort in der Finsternis, ein Schemen.
»Was auch immer er ist, fliegen kann er nicht«, bemerkte Rho und stieg zu ihm hinab.
Der Schemen war menschenähnlich, zwei Schritt hoch und grauschwarz. Und er säuselte, raunte, vage verständlich und doch zu leise, um ihn zu verstehen. Doch sein Wunsch war klar. Der Dämon und der Flüsterer kamen sich näher.
Rho leierte seinen Standardsatz herunter: »Sei gegrüßt, mein Name ist Rho un Garr und ich bin dein Befreier. Zumindest sobald Du dieses Pergament unterzeichnest.« Der Flüsterer wirkte verwundert. »Das ist nur das übliche Zeug – Nichtangriffsklausel, Übertragung der Grabbeigaben und so. Ich würde Dir empfehlen, schnell zu unterschreiben.«
Das Grollen des anderen Dämonen hatte sich in ein angestrengtes Ächzen verwandelt. Offensichtlich hatte er einen Halt gefunden, mit dem er sich von dem Stalagmiten hebeln konnte. Rho blickte nach oben: »Also, ich meine wirklich schnell.« Um sich herum sah der Dämon keine Deckung, der Sims war zu schmal um zur Seite zu springen.
»Was ist? Unterschreib schon!«, drängte er weiter. Der Flüsterer schien zu zagen. »Ja natürlich sind da noch die Zusatzabschnitte, ist ja ganz normal. Aber hey, für den Dienst bei mir bekommst Du Deine Freiheit! Frei sein, das willst Du doch, oder?!«
Doch der Flüsterer schien das Konzept von Freiheit durch Knechtschaft nicht zu verstehen. Rho seinerseits bekam den Eindruck von oben über eine Hufspitze angepeilt zu werden. »Unterschreib jetzt, oder der da endet Dich!« Der Schemen blickte nach oben, dann zu Rho, dann in den Abgrund. Einige obskure Glyphen erschienen auf dem Pergament. Er schien zu unhörbar zu seufzen.
»Besten Dank!«, rief Rho und begann auf dem Sims hin und her zu springen, während er nach Steinen suchte. Dann hörte er das bekannte Jauchzen seines Skatkumpanen, gefolgt von rauschender Luft. Rho warf den Stein. Ein Trefferwurf! Der Stein versenkte sich in Sincos fünftes Auge, er schrie auf, traf den Rand des Sims und brach hindurch.
Rho und der Flüsterer hörten ihm lange zu, wie er tiefer und tiefer den Abgrund herunterstürzte. Dann lud Rho den Schemen auf seinen Rücken – was nicht einfach war, denn dessen Natur war nicht greifbar – und kletterte langsam nach oben, wo die überlebenden Wächter sie erwarteten. Er musste dem Schemen nicht sagen, was er wollte. Kaum waren sie an der Kuppeldecke angekommen, hörte er wütendes Geschrei, dann menschliche Schmerzensschreie. Der Flüsterer hatte Zwietracht gesät und Stille beantwortete sein Werk.

EINFLÜSTERUNGEN
F.M.
Mai 2017

Posted in Rho Un Gar, Story | Leave a comment

Das Märchen von den drei Waisenkindern

Es waren einmal drei Waisenkinder, drei wunderschöne Mädchen. Die lebten, nachdem ihre Eltern bei einem Bergrutsch ihren Hof und ihr Leben verloren hatten, auf dem Bauernhof ihres Onkels und mussten dort hart arbeiten. Sie wurden vom Gutsherren, von seiner Frau, aber auch vom Gesinde und den Knechten auf dem Felde schlecht behandelt und hatten die einfachsten und schwersten Arbeiten zu übernehmen, die kein anderer tun wollte. Die eine musste im Haus jeden Tag putzen, das Geschirr spülen und die Latrinen reinigen. Die zweite war im Stall für den Schweinekoben zuständig und wurde ständig von den Tieren gebissen. Die dritte musste auf dem Feld von morgens bis abends die einfachsten Arbeiten durchführen, Steine auflesen und Unkraut jäten.
Das Leben der drei Mädchen war harter Fron, und nur wenn sie am Abend erschöpft auf ihre einfachen Lager im Stall sanken, konnten sie kurz miteinander reden und ihr Leben beweinen.

Eines Tages fasste die Älteste der drei den Mut, heimlich den Priester im Ort anzusprechen und ihm ihr Leid zu klagen. »Unser Leben ist Mühsal, unsere Körper schmerzen, wir werden geschlagen und das Sein ist ungerecht.«
Er gab ihr einen Rat.
»Der Schlüssel zu einem guten Leben ist Gehorsam. Nehmt das Leben an und auf Euch, befolgt alle Befehle und Anweisungen und trachtet danach, alle Aufgaben besser als von Euch erwartet zu erledigen. Sagt immer Ja, lächelt und tut was Euch geheißen ist. Der Lohn wird nicht auf sich warten lassen.«
Die älteste der Schwestern tat wie ihr geraten ward. Sie arbeitete härter als alle anderen Bediensteten, las ihrem Vormund und seiner Frau jeden Wunsch von den Lippen ab und lächelte dabei den ganzen Tag.
Es kam eine Zeit, da ihrem Vormund das unterwürfige und gehorsame Verhalten seiner Nichte tatsächlich auffiel. Sie wurde in schöne Gewänder gekleidet und mit duftenden Ölen durfte sie sich einreiben. Und bald nahm er sie, wenn seine Frau nicht im Hause war, mit in sein Schlafgemach. Erst selten, dann immer häufiger, und sie tat, was von ihr erwartet wurde, und sie lächelte dabei. Des Abends weinte sie aber mit ihren Schwestern, wenn sie auf ihr hartes Lager fielen.
Dann sagte sie zu den beiden: »Tut nicht, was ich getan habe. Das Leben ist eine Qual.«
Ihren Körper fand man zerschmettert am Fuße des Berges von dessen höchster Klippe sie sich gestürzt hatte.

Nach vielen Wochen fasste die nun älteste Schwester den Mut, heimlich die älteste Bauernwitwe im Ort anzusprechen, um ihr ihr Leid zu Klagen. »Unser Leben ist Mühsal, unsere Körper schmerzen, wir werden geschlagen und das Sein ist ungerecht.«
Sie gab ihr einen Rat.
»Der Schlüssel zu einem guten Leben ist ein eigener Hof. Such Dir einen Bauern, mach ihn dir zum Mann. Dann wirst Du die Herrin über Hof und Gesinde sein. Der Lohn wird nicht auf sich warten lassen.«
Im Dorf gab es einen Bauern, der hatte ein Triefauge, eine Hasenscharte und humpelte. Sein Hof war klein, seine Frau vor Jahren verstorben und sie hatten keine Kinder. Er hatte nur einen Knecht, der schweigsam seinen Aufgaben nachkam. Im Wirtshaus saß er meist alleine an einem Tisch, und die anderen Bauern hielten Abstand. Er trank nicht viel, nahm nicht an den Raufereien teil und hielt keine großen Reden wie die anderen.
Die Schwester sorgte dafür, dass sie ihm auffiel, und an Markttagen schlich sie um seinen kleinen Stand und sie versuchte, ihm zu helfen. Da sonst kein Mädchen aus dem Dorf auch nur einen Blick auf ihn warf, nahm der Bauer die Aufmerksamkeit des Waisenkindes wahr, und schon bald fragte er bei ihrem Vormund, ob er um ihre Hand anhalten dürfe. Der gab seine Zustimmung, und sie zog in das Haus des Bauern.
Nur selten noch sahen sich die beiden Schwestern, und mit jedem Mal hatte die frischgebackene Bauersfrau mehr blaue Flecke und blutige Striemen auf ihrer Haut. Sie trug nur noch langärmelige Blusen, und sie wurde immer hagerer und krummer. Sie weinten Abends zusammen, bevor die ältere Schwester zurück in ihr neues Heim ging.
Eines Abends mühte sie sich mit gebrochenem Bein zum Verschlag ihrer kleinen Schwester und sagte: »Tu nicht, was ich getan habe. Das Leben ist eine Qual.«
Wenige Tage später trauerte das Dorf um die junge Bauersfrau. Es hieß, sie sei beim Steigen auf den Heuboden von der Leiter gestürzt und dabei verstorben. Doch die Trauerzeit war nur kurz.
Die letzte der Schwestern aber weinte sich jeden Abend in den Schlaf. Continue reading

Posted in Story | Tagged , , | Leave a comment

Eine neue Vereinbarung

Jörg Meierotte

Diese Geschichte spielt wieder im magiranischen »Hier und Jetzt«, also zu Beginn des Jahres 52 nach dem vorläufigen Ende der Finsternis.

»Meine Güte, hast du dich im Dämonenpalast verlaufen?« Samsa war deutlich genervt, dass er so lange auf Azi Azatoth warten musste. Als der Stellvertreter des Dämonenlords in das Besprechungszimmer kam, versuchte sich der Feldherr mit den Füßen nach oben und dem Kopf nach unten auf eben jenem Stuhl zu entspannen, der bei der letzten Besprechung noch Azi als Sitzplatz gedient hatte. Als säße der Dunkelelf auf einem Thron, so war es zumindest in der Erinnerung Samsas verankert.

»Das ist mein Platz«, sagte Azi ernst. Samsa schwebte daraufhin kurz in der Luft, drehte sich dort zweimal und kam sanft zurück auf die Beine. Dann fuchtelte er mit der Rechten zweimal über die Sitzfläche, so als wolle er sie noch mal reinigen, bevor er den Platz wieder freigab. Azis Blick war starr, dann setzte er sich und Samsa schritt im Raum auf und ab.

Zeit verging.

Dann:
»Ich habe keine Lust mehr für dich durch die Gegend zu fahren, geschätzter Freund«, sagte der Hüne ernst, ohne seinem Gegenüber in die Augen zu sehen.
»Diese anderen Völker widern mich an. Sie sind so festgefahren in ihrer Einstellung und ihren Vorteilen gegenüber der Horde und der Finsternis.«

Kurze Pause.

»Aber man muss auch sagen: Das ist eben das Resultat der Außenpolitik der letzten 20 Jahre. Verflucht sei der Reiter! Mit mir am Steuer wäre das nicht so einfach passiert.«
» Kritik an meiner Führung, Samsa?« Zu Azi Azatoths Stimme passte nur ein Ausdruck: gereizt.
»Nein, nein«, erwiderte Samsa schnell. Ein bisschen zu …
»Ich hätte ja vermutlich genauso gehandelt. Trotzdem sind meine Karten beim magiranischen Spiel eher … schlechte. Ich habe nicht die Zeit unter dem Fluch des Reiters gelitten um nun meine Zeit so zu verbringen.«
»Und Du hast einen Vorschlag?« Azis Reizzustand nahm angesichts Samsas Attitüden noch ein wenig zu. Noch nicht überreizt, aber dicht dran.
»Eine neue Vereinbarung. Ernenne doch einen anderen zum Feldherren der Finsternis.«
Azi wirkte wenig überrascht.
»Im Endeffekt willst du also Urlaub. Mit Verlaub: Dein Körper sieht auch immer … bescheidener aus.«
»Ich weiß, und du hattest mir einen neuen versprochen.«
»Aber du solltest mit etwas dafür besorgen, und bisher bist du gescheitert.«
»Weil eure Durchlauchtheit auch nicht weiß wo es zu finden ist.«

Ein scharfes Atemholen. Ein wütender Blick. Und sehr gedehnt die nächsten Worte: »Hast du mich gerade Durchlauchtheit genannt?«
»Offensichtlich.«
Eine sehr schnelle Antwort. Und eine eisige Reaktion. Nicht laut, aber deutlich ausgesprochen.
»Nimm das zurück, du halbtoter Albyoni. So redest du nicht mit mir!«
Samsa ließ seinen Satz erst mal im Raum stehen. Nicht, dass er nicht die Stirn hätte, diesen Streit fortzusetzen, aber eine etwas weniger gereizte Stimmung seines Gegenübers würde ihn sicherlich seinem Ziel näher bringen.
»Dann nehme ich es zurück, eure Gelassenheit. Mit dem Ausdruck des Bedauerns.«
Nur wollte sich dieser Ausdruck auf seinem Gesicht nicht einstellen.

Pause.

»Akzeptiert. Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema.« Azi lehnte sich während dieser Worte zurück. Zwang sich zu einem Lächeln. Für irgendetwas musste dieses Anti-Aggressionstraining ja nütze gewesen sein. Und sei es nur, nicht ständig neues Personal suchen zu müssen.
»Es sieht tatsächlich so aus, als könntest du etwas Urlaub vertragen. Den will ich dir gewähren, zumindest zum Teil. Wir haben da einen kleinen Spezialauftrag in Huanaca zu erledigen. Aber man kann es auch einen amüsanten Kurzurlaub nennen. Es geht um die Zwietracht zweier Völker, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und um eine Menge Gold. Du weißt, wie einfach die meisten Magiraner mit Gold zu beeindrucken sind. Du weißt, dass es kaum einen Stoff gibt, der den wahren Magiraner zum Vorschein bring. Gold zeigt uns, wie weit wir zu gehen bereit sind. Stachelt Ehrgeiz und ein bisschen Gier an. Goldene Zeiten.«
»Deshalb müssen wir dort sein, wo es Gold gibt. Damit könnten wir unseren Ruf festigen. Und rein zufällig gibt es auf Huanaca einen Ort, wo man das Zeug in reichen Mengen entdeckt hat. Und die beiden besagten Völker werden sich in naher Zukunft streiten. Und, so banal das klingen mag: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Und du wirst zusehen, dass wir dieser Dritte sind. Und noch was…«
Azi winkte Samsa zu sich und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Auf zwei Gesichtern erschien ein breites Grinsen.
Samsa erwies dem Stellvertreter des Dämonenlords zum ersten Mal seit Langem die Ehre und verneigte sich. Er wandte sich dann ab, doch kurz bevor er den Raum verließ, drehte er sich noch einmal um: »Und wer führt denn nun das Heer?«
»Ach, irgendeinen Dummkopf werden wir schon finden.«

DIE NEUE VEREINBARUNG
Jörg Meierotte / feat. Michael Scheuch
Walldorf, Frankfurt am Main, Bickenbach
Dezember 2014

Posted in Goldene Zeiten, Story | Leave a comment

Erbe

Der Geschichten um die Blauhelme zweiter Teil
Jörg Meierotte

Es ist das Jahr Achtundvierzig nach dem vorläufigen Ende der Finsternis. Diese Erzählung spielt im gleichen Zeitraum wie »Die Vereinbarung« aus dem Dämonenboten 70 (Follow 412) und in direktem Anschluss an »Echo“ aus dem Dämonenboten 75 (Follow 421). 

Taz Breitbust war in Eile. Schnell war er zu seiner Hütte im Hafenviertel Ureban Na Xertes gelaufen, um sich ein schwarzes Hemd überzustreifen. Der blaue Fleck auf seiner Brust hatte sich in den letzten Augenblicken nicht nur verdunkelt, so dass er jetzt eine königsblaue Farbe annahm, er hatte auch die Umrisse eines Helmes angenommen.
Der Goblin schaute sich um. Er stellte fest, dass Limm Weitwurf ihm nicht gefolgt war. Er atmete tief durch, schaute über seine Habe, entschied sich für ein Messer mit und hastete zum Viertel der Zünfte.

Als er die Taverne Zum fröhlichen Kling Klong erreichte war er außer Atem. Die Sonne neigte sich dem Horizont entgegen. Vor der Tür ein weißes Schild, dass die Umrisse eines Zwerges zeigte, umgeben von einem roten Kreis war, dazu ein diagonaler Strich den Zwergenschattenriss. Der Goblin atmete nochmals tief durch und betrat die Schenke.

Überall hingen albyonische Gegenstände. Schilde, Felle und Schwerter bedeckten die Wände. Es roch nach Pfeife. Hinter der Theke stand der im Viertel der Zünfte bekannte Bert MacMullay, der ein Gespräch mit einer anderen Berühmtheit führte, dem Dag und Kupferschmied Glonder Grubol. Taz bemerkte, wie der Blick des Wirtes kurz auf ihm verweilte, er sich dann aber wieder seinem Gesprächspartner zuwandte. Der Goblin schaute sich im Schankraum um und sah dann Drugnar Gunnarson, von dem er wusste, dass er hier oft verkehrte. Der Mensch mit den schwarzen Haaren und breiten Oberarmen saß allein an seinem Tisch und schaute nachdenklich in ein Bier aus der Hausbrauerei. Der Goblin ging zu ihm herüber und setzte sich. Continue reading

Posted in Geschichten um die Blauhelme, Story | Tagged | Leave a comment

Echo

Echo

 Der Geschichte um die Blauhelme erster Teil

 Es ist das Jahr Achtundvierzig nach dem vorläufigen Ende der Finsternis. Diese Erzählung spielt im gleichen Zeitraum wie »Die Vereinbarung« aus dem Dämonenboten 70 (Follow 412).

Es war einer der ersten wärmeren Tage am neuen Hafen in Ureban na Xertes. Die sprießenden ersten Blätter der Büsche und Sträucher, die am Ufer standen, wurden von einem kalten, feuchten Wind durchzogen. Nur leicht schien die Nachmittagssonne durch einzelne, graue Wolkenfetzen hervor.

Der kalte Wind machte Taz Breitbrust nichts aus. Der Goblin mit dunkelgrüner Hautfarbe saß mit nacktem Oberkörper vor seiner kleinen, schlecht konstruierten Hütte am äußersten Rand des Hafens und brachte einen kleinen Topf mit einer klaren Flüssigkeit zum Kochen, als Limm vorbeikam. »Hey Taz,« sprach der Neuankömmling fröhlich. Limm war ebenfalls ein Goblin und die beiden waren für Wesen, die keine Goblins waren, nur durch ihre Kleidung zu unterscheiden. Limm trug ein langes, einfaches Kleidungsstück in grauer Farbe, sowie einen Strohhut mit einer großen, mittlerweile an vielen Stellen aufgeriebenen Krempe. Über seiner Schulter trug er eine Angel, die mit vielen kleinen, zusätzlichen Gerätschaften versehen war. Niemand im neuen Hafen wusste genau, wie sie funktionieren, aber aufgrund seiner enormen Reichweite beim Auswerfen der Angel trug Limm den Beinamen ‚Weitwurf‘.

»Grüß dich Limm. Wie beißen sie denn heute?«

»Wieder besser. Die Sonne treibt die Fische weiter an die Oberfläche und da gehen sie mir an den Haken. Kreuzende Boote der anderen Fischer machen mir allerdings immer wieder Probleme. Kann aber sonst nicht klagen. Was kochst du da?« Continue reading

Posted in Geschichten um die Blauhelme, Story | Tagged | Leave a comment

The Shape of Things to come

rosaeinhorn

Illustration: Zilly Zipf

Posted in Allgemein | Tagged | Leave a comment

Der Weg

Als er die Augen aufschlägt ist es noch dunkel in seinem Schlafzimmer. Seine Sinne sind sofort hellwach, das Geklapper aus der Küche, der Geruch nach Schlaf und frisch gebrühtem Khaffa. Stimmen. Aber weit weg.

Er steht auf. Streift das Nachtgewand ab, zieht sich an. Kein Blick in den Spiegel.

Frühstück, frisch gebrüht, frisch gebacken. Er geht direkt zu seinem Stuhl, nimmt Platz. Stimmen. Weit weg.

Er steht auf, greift nach dem Pergament mit den vielen Buchstaben, Sätzen, Spiegelstrichen, Aufzählungen. Unterstreichungen.

Er greift nach dem leichten Umhang, die Sonne brennt vom Himmel, der Gestank der Stadt. Weit weg.

Continue reading

Posted in Der Ureban Zyklus, Story | Leave a comment

Auf der Spur der Nacht

In der Geschichte Die Stunde der Dämonen beobachtet Azi Azatoth der Jüngere zum ersten Mal, was in manchen Nächten in der Hauptstadt der Schädelinsel vor sich geht: wie entfesselt jagen Dämonen die menschlichen und anderen natürlich geborenen Einwohner der Stadt, woran sich aber am darauffolgenden Morgen kaum jemand zu erinnern vermag. Wer in dieser Stunde stirbt, lebt weiter, keine der angerichteten Zerstörungen ist zu finden.

Was ist der Sinn?
Warum geschieht es?
Wohin führt der Weg?
Weshalb jetzt, hier, mir?

Niemand hatte es mehr gewagt, in der Stunde der Dämonen sein Haus, sein Appartement, ja die Häuser auf der Straßenseite, an der seine Wohnung lag, anzugreifen.
Nachtragender als ein Dämon war kein Wesen auf den Welten, und nachtragender als der Stellvertreter des Dämonenlords war keiner der Dämonen. Vielleicht der Dämonenlord selber, aber wer konnte das schon sagen.

Azi Azatoth der Jüngere hatte seinen Platz eingenommen, auf der obersten Stufe der Treppe, die zu seinem Haus führte.
Im Vergleich war in dieser Straße wenig los, ein paar panisch schreiende Menschen und andere Wesen, nur vereinzelt Dämonen mit stumpfen oder scharfen Gegenständen – nicht nur Waffen, auch alles andere, das sich in Vorratskammern, Läden oder Wohnungen befand. Die Stunde der Dämonen schien den Spieltrieb in den vielen unruhigen Geistern der Stadt zu befördern.

Wieder steckte ein kleines Stück Pergament in der Ritze zwischen zwei Quadern, die den Treppenabsatz bildeten.

Er wusste schon, was in kleinen, feinen, geschwungenen Lettern auf das Leder geschrieben war. »Ich würde mich freuen, wenn Sie zu dieser Stunde mein Gast wären. Ehrerbietigst, Sternsnacht.«
Allerdings war es nicht in jeder Nacht dieselbe Notiz, nein, Form, Größe und Tintenfarbe variierten.  In dieser Nacht würde er die Einladung annehmen. Diesen Entschluss zu fassen hatte ihn fast eine Woche gekostet. Eine Woche und einen sehr langen Blick auf das Chaos zu seinen Füßen.

Also erhob er sich und machte sich auf den Weg, nur ein Stadtviertel weiter durch die übervollen Straßen. Entlang der Häuserzeilen, von allen übersehen, nur manchmal beinahe über den Haufen gerannt, doch er wusste auszuweichen.

Das Haus des Magiers lag am Ende einer Sackgasse, ein großes Tor verbarg den Innenhof des Gebäudes. Da Sackgassen bei fliehenden Stadtbewohnern recht unbeliebt waren, wurde es hier schnell ruhiger. Vor kurzem mussten sich ein paar verlaufen haben oder waren einfach nur falsch abgebogen, aber auch die waren inzwischen ruhig.

Der Schädelträger öffnete ohne anzuklopfen die Tür, die in das große Tor eingelassen war und schlüpfte hindurch. Im Schein zweier Fackeln stand eine dunkle Gestalt, rammte seinen großen Stab auf den Boden und brüllte mit tiefer, durchdringender Stimme: »Du kommst hier nicht vorbei.« Continue reading

Posted in Der Ureban Zyklus, Story | Leave a comment

Die Stunde der Dämonen

Oben 1 Kopie

Azi Azatoth der Jüngere erwachte, wie schon so oft in den vergangenen Wochen, von den viel tausendfachen Schreien in Todesangst, die durch sein Schlafzimmerfenster drangen.

Nur schwer schüttelte er die bleischwere Müdigkeit ab, die ihn inzwischen begleitete wie sein Schatten. Doch heute würde er das Getöse der Nacht nicht wieder einfach nur Lärm sein lassen. Langsam kleidete er sich an, verließ das Zimmer und glitt vorbei an den wie erstarrt stehenden Wachen. Es verwunderte ihn nicht, dass sie wie leblos wirkten. Schließlich hätten sie ihm seit Wochen von den nächtlichen Krawallen, dem Lärm von rennenden und schreienden Menschen, einstürzenden Mauern, dem dumpfen Knall einschlagender Onagergeschosse berichten müssen.

Auf dem Weg zur Straßenseite seines 12 2-Zimmer-Appartements mit seitlichem Meerblick wurde der Lärm immer ohrenbetäubender.

Er durchschritt Wohnungstür, Treppenhaus, Haustür ohne gestört zu werden. Draußen auf der Straße bot sich ihm ein Bild der Verwüstung, des Todes und des Blutes. Continue reading

Posted in Der Ureban Zyklus, Story | Tagged | Leave a comment

Jeljababs schlechter Tag

Geschichte von Britta Ketelsen

Manchmal  sind es die kleinen Dinge, die geschehen und die große Veränderungen nach sich ziehen.
Jeljabab hatte diesen Tag begonnen wie so viele Tage zuvor in den letzten hundert Jahren. Er folterte ein bißchen seine derzeitige Lieblingskonkubine, die erbärmlich schrie, als er ihr tiefe Löcher in die Innenseite ihrer Schenkel biß, und ihm so ein tiefes Gefühl der Befriedigung verschaffte, die all ihre verzweifelten Versuche ihm eine andere Form der Befriedigung am Vorabend zu bieten, bei weitem übertraf. Dann suhlte er seinen dunklen, mit dicken Borsten überzogenen Körper in seinem Schlammbad und sah zu, wie die dicken Zecken und Flöhe versuchten, auf höher gelegene Stellen seines Leibes zu fliehen, um nicht in dem zähen, gelben Schlamm zu ersaufen. Er zerquetschte ein, zwei der kleinen Plagegeister und lutschte sie gedankenverloren aus, während sein Leibdiener sich darin übte, die dicken eitrigen Furunkel am Anus seines Herren auszudrücken.
Jeljabab genoß den Schmerz, und der Gestank des Eiters, der in zähen Fäden in das Schlammbad tropfte, weckte zärtliche Erinnerungen an Geliebte vergangener Tage, die er schon vor langer Zeit verdaut hatte.
Wie jeden Tag erhob er sich, um sich ein Frühstück auf den  Straßen Urebans zu besorgen, irgend eine leckere, lebendige Kleinigkeit. Die Märkte und Straßen Ureban na Xertes waren besser geeignet als die jede andere Stadt Magiras, um den Gaumen eines Genießers mit ausgesuchten Leckereien zu beliefern. Jeljabab schätzte diese Auswahl, zumal ihn die lästigen Reisen während eines Kriegszuges mit zunehmenden Alter immer unangenehmer wurden. Zu viele Kompromisse für zu wenig Spaß. Er blieb lieber daheim und ließ sich beliefern, statt selbst auf die Jagd zu gehen. Continue reading

Posted in Aus den Chroniken des Feuerland-Krieges, Story | Tagged | Leave a comment