Aufbruch

Aus dem Widerhall der Welt (1)

Es ist helllichter Tag.
Es ist finsterste Nacht.

Die Sonne scheint gleißend hell von einem strahlend blauen Himmel.
Die Sichel des Mondes steht fahl über der Stadt, Wolkenfetzen ziehen über sie hinweg.

Die Stadt glüht.
Kalte Feuchtigkeit zieht durch die Straßen.

Am Neuen Hafen waren die Arbeiten zum Erliegen gekommen. Das Leben sucht den Schatten.
Nur wenige Gestalten hasteten durch die dunklen Gassen. Das Leben sucht den Schatten.

Ureban Na Xertes liegt still da. Natürlich nicht ohne jedes Geräusch. Fuhrwerke bringen Lebensmittel, Händler feilschen mit den wenigen Kunden, Kinder toben. Doch es ist für die Einheimischen fast schon ohrenbetäubend still.
Ureban Na Xertes liegt still da. Natürlich dringt Lärm aus den Kaschemmen, Streit und Auseinandersetzungen durch die geschlossenen Fensterläden. Hier ein Schrei, dort ein Lachen. Doch auf den Straßen ist nur vereinzelt ein Laut zu vernehmen. Winzige Vierbeiner und vorsichtige Zweibeiner gehen sich aus dem Weg.

Die dunkle Gestalt des Schädelträgers betritt in Begleitung des Zauberers die Straße zum Hafenviertel.
In Begleitung einiger seiner Blauhelme betritt die dunkle Gestalt des Schädelträgers die Gasse, die zum Alten Hafen führt.

Neugierige Augen folgen den beiden, Menschen und andere Finsterlinge kalkulieren ihren Weg und meiden ihn. Andere wiederum bleiben stehen und mustern das Duo offen.
Die kleine Gruppe erregt nur wenig Aufmerksamkeit. Ein paar wenige dunkle Gestalten ändern ihre Pläne und suchen sich ein anderes Stadtviertel.

Die beiden sind in ein ruhiges Gespräch verwickelt, kaum die Stimme erhoben, geschäftig aber ruhig.
Die Gruppe setzt schnellen Schrittes und schweigend ihren Marsch fort.

Ein kleines, wendig aussehendes einmastiges Segelschiff kreuzt vor der Hafeneinfahrt, die Mannschaft holt die Segel ein. Barkassen sind auf dem Weg.
Auf dem Platz vor der Festung des Dämonenlords wird die Luft immer kälter. Erste Nebelschwaden ziehen über den Steinboden. Die letzten Menschen verlassen die dunklen Ecken.

Seile werden geworfen, die Ruderer der Barkassen werfen sich in die Riemen. Schweiß fließt in Strömen. Das Schiff wird in den Hafen gezogen.
Im Schein der Laternen wabert die Luft. Es ist feucht, kalt, und es riecht nach Tod und Verwesung.

Der Schädelträger und sein Begleiter kommen am Rand des Hafenbeckens zu Stehen. Der Magier schließt die Augen.
Im tiefer gelegenen Hafenviertel erreicht die Gruppe um den Schädelträger den Hafen. Der Schädelträger hebt den Kopf, lauscht und riecht.

Die Stadt hält den Atem an.
Die Stadt hält den Atem an.

Die ersten kleinen Flammen lodern die Schiffswand empor.
Der Nebel wird dichter und dichter. Bis er als feste Masse über das Pflaster fließt.
Die ersten Seeleute bemerken den Rauch, stellen fest, dass sie sich nicht mehr bewegen können.
Weit aufgerissene Augen verfolgen den Nebel durch die Gassen, aufsteigende Panik unter den Gestalten in den Schatten. Ihre Beine versagen den Dienst.

Menschen schreien. Brennen. Geruch nach verbranntem Fleisch. Takelage, Segel, Rumpf.
Menschen schreien, werden in den Nebel gezogen. Blut mischt sich mit der schweren Nachtluft.

Die Flammen verzehren alles. Vollständig. Nur wenig Asche treibt davon.
Der Nebel saugt alles Fleisch, Gewebe, Innereien ein. Blut färbt den Nebel dunkel. Waffen und Knochen bleiben in der Straße zurück.

Das Schiff aus Rauch nimmt Gestalt an.
Das Schiff aus Nebel nimmt Gestalt an.

Der Schädelträger nickt langsam, blickt auf den Boden. Konzentriert sich kurz.
Der Schädelträger blickt kurz gen Himmel, holt tief Luft.

Sein Schatten geht an Bord des Schiffes.
Dunkle Flecken auf dem Boden, fließen zum Schiff.

Die Schreie sind verstummt. Das Schiff aus Rauch setzt seine Segel, die jammernden Seelen an Bord hissen die Schädelflagge.
Keine Schreie mehr, kein Nebel in den Straßen. Der Nachtwind bläht die Segel aus Nebelschwaden. Die Schädelflagge erscheint auf dem Hauptsegel.

Das Schiff aus Rauch verlässt den Hafen.
Das Schiff aus Nebel verlässt den Hafen.

Der Widerhall der Welt
AUFBRUCH
Michael Scheuch
Obernkirchen, August 2019

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