{"id":83,"date":"2017-08-16T06:40:45","date_gmt":"2017-08-16T05:40:45","guid":{"rendered":"http:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/?p=83"},"modified":"2018-03-31T12:45:58","modified_gmt":"2018-03-31T11:45:58","slug":"das-maerchen-von-den-drei-waisenkindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/das-maerchen-von-den-drei-waisenkindern\/","title":{"rendered":"Das M\u00e4rchen von den drei Waisenkindern"},"content":{"rendered":"<p>Es waren einmal drei Waisenkinder, drei wundersch\u00f6ne M\u00e4dchen. Die lebten, nachdem ihre Eltern bei einem Bergrutsch ihren Hof und ihr Leben verloren hatten, auf dem Bauernhof ihres Onkels und mussten dort hart arbeiten. Sie wurden vom Gutsherren, von seiner Frau, aber auch vom Gesinde und den Knechten auf dem Felde schlecht behandelt und hatten die einfachsten und schwersten Arbeiten zu \u00fcbernehmen, die kein anderer tun wollte. Die eine musste im Haus jeden Tag putzen, das Geschirr sp\u00fclen und die Latrinen reinigen. Die zweite war im Stall f\u00fcr den Schweinekoben zust\u00e4ndig und wurde st\u00e4ndig von den Tieren gebissen. Die dritte musste auf dem Feld von morgens bis abends die einfachsten Arbeiten durchf\u00fchren, Steine auflesen und Unkraut j\u00e4ten.<br \/>\nDas Leben der drei M\u00e4dchen war harter Fron, und nur wenn sie am Abend ersch\u00f6pft auf ihre einfachen Lager im Stall sanken, konnten sie kurz miteinander reden und ihr Leben beweinen.<\/p>\n<p>Eines Tages fasste die \u00c4lteste der drei den Mut, heimlich den Priester im Ort anzusprechen und ihm ihr Leid zu klagen. \u00bbUnser Leben ist M\u00fchsal, unsere K\u00f6rper schmerzen, wir werden geschlagen und das Sein ist ungerecht.\u00ab<br \/>\nEr gab ihr einen Rat.<br \/>\n\u00bbDer Schl\u00fcssel zu einem guten Leben ist Gehorsam. Nehmt das Leben an und auf Euch, befolgt alle Befehle und Anweisungen und trachtet danach, alle Aufgaben besser als von Euch erwartet zu erledigen. Sagt immer Ja, l\u00e4chelt und tut was Euch gehei\u00dfen ist. Der Lohn wird nicht auf sich warten lassen.\u00ab<br \/>\nDie \u00e4lteste der Schwestern tat wie ihr geraten ward. Sie arbeitete h\u00e4rter als alle anderen Bediensteten, las ihrem Vormund und seiner Frau jeden Wunsch von den Lippen ab und l\u00e4chelte dabei den ganzen Tag.<br \/>\nEs kam eine Zeit, da ihrem Vormund das unterw\u00fcrfige und gehorsame Verhalten seiner Nichte tats\u00e4chlich auffiel. Sie wurde in sch\u00f6ne Gew\u00e4nder gekleidet und mit duftenden \u00d6len durfte sie sich einreiben. Und bald nahm er sie, wenn seine Frau nicht im Hause war, mit in sein Schlafgemach. Erst selten, dann immer h\u00e4ufiger, und sie tat, was von ihr erwartet wurde, und sie l\u00e4chelte dabei. Des Abends weinte sie aber mit ihren Schwestern, wenn sie auf ihr hartes Lager fielen.<br \/>\nDann sagte sie zu den beiden: \u00bbTut nicht, was ich getan habe. Das Leben ist eine Qual.\u00ab<br \/>\nIhren K\u00f6rper fand man zerschmettert am Fu\u00dfe des Berges von dessen h\u00f6chster Klippe sie sich gest\u00fcrzt hatte.<\/p>\n<p>Nach vielen Wochen fasste die nun \u00e4lteste Schwester den Mut, heimlich die \u00e4lteste Bauernwitwe im Ort anzusprechen, um ihr ihr Leid zu Klagen. \u00bbUnser Leben ist M\u00fchsal, unsere K\u00f6rper schmerzen, wir werden geschlagen und das Sein ist ungerecht.\u00ab<br \/>\nSie gab ihr einen Rat.<br \/>\n\u00bbDer Schl\u00fcssel zu einem guten Leben ist ein eigener Hof. Such Dir einen Bauern, mach ihn dir zum Mann. Dann wirst Du die Herrin \u00fcber Hof und Gesinde sein. Der Lohn wird nicht auf sich warten lassen.\u00ab<br \/>\nIm Dorf gab es einen Bauern, der hatte ein Triefauge, eine Hasenscharte und humpelte. Sein Hof war klein, seine Frau vor Jahren verstorben und sie hatten keine Kinder. Er hatte nur einen Knecht, der schweigsam seinen Aufgaben nachkam. Im Wirtshaus sa\u00df er meist alleine an einem Tisch, und die anderen Bauern hielten Abstand. Er trank nicht viel, nahm nicht an den Raufereien teil und hielt keine gro\u00dfen Reden wie die anderen.<br \/>\nDie Schwester sorgte daf\u00fcr, dass sie ihm auffiel, und an Markttagen schlich sie um seinen kleinen Stand und sie versuchte, ihm zu helfen. Da sonst kein M\u00e4dchen aus dem Dorf auch nur einen Blick auf ihn warf, nahm der Bauer die Aufmerksamkeit des Waisenkindes wahr, und schon bald fragte er bei ihrem Vormund, ob er um ihre Hand anhalten d\u00fcrfe. Der gab seine Zustimmung, und sie zog in das Haus des Bauern.<br \/>\nNur selten noch sahen sich die beiden Schwestern, und mit jedem Mal hatte die frischgebackene Bauersfrau mehr blaue Flecke und blutige Striemen auf ihrer Haut. Sie trug nur noch lang\u00e4rmelige Blusen, und sie wurde immer hagerer und krummer. Sie weinten Abends zusammen, bevor die \u00e4ltere Schwester zur\u00fcck in ihr neues Heim ging.<br \/>\nEines Abends m\u00fchte sie sich mit gebrochenem Bein zum Verschlag ihrer kleinen Schwester und sagte: \u00bbTu nicht, was ich getan habe. Das Leben ist eine Qual.\u00ab<br \/>\nWenige Tage sp\u00e4ter trauerte das Dorf um die junge Bauersfrau. Es hie\u00df, sie sei beim Steigen auf den Heuboden von der Leiter gest\u00fcrzt und dabei verstorben. Doch die Trauerzeit war nur kurz.<br \/>\nDie letzte der Schwestern aber weinte sich jeden Abend in den Schlaf.<!--more--><\/p>\n<p>Nach einigen Monden fasste sie den Mut, den Einsiedler im Wald, den alle mieden, vor dem aber auch alle ein wenig Angst hatten, anzusprechen. N\u00e4herte er sich dem Dorf, dann wurde er mit Steinen beworfen, die Kinder schrieen Schimpfworte und die Erwachsenen drohten ihm mit Ihren Waffen und Mistgabeln. Sie sagte: \u00bbMein Leben ist M\u00fchsal, mein K\u00f6rper schmerzt, ich werde geschlagen und das Sein ist ungerecht.\u00ab<br \/>\nDer dunkelhaarige Mann mit seinem dichten Bart blickte sie aus einen eisgrauen Augen lange an. Dann gab er ihr seinen Rat.<br \/>\n\u00bbDer Schl\u00fcssel zu einem guten Leben ist deine Freiheit. Lass alles hinter Dir, traue niemandem au\u00dfer dir selbst. Lerne dich zu ern\u00e4hren, zu behausen, zu verteidigen. Lerne die Verb\u00fcndeten im Dunkeln kennen. Niemand hat das Recht, \u00fcber dich zu bestimmen. Der Lohn wird nicht auf sich warten lassen.\u00ab<br \/>\nSo verlies sie den Hof, auf dem sie so viel Pein ertragen hatte, und zog in den Wald. Der Einsiedler verweigerte ihr, zu ihm in seine H\u00fctte zu ziehen, und so musste sie sich einen einfachen Unterstand erschaffen, Beeren und Wurzeln sammeln, wichtige Dinge im Dorf des Nachts stehlen, um dann Tiere zu jagen. Es war eine schwere Zeit, so fast alleine im Wald, aber es gab keinen Weg zur\u00fcck.<br \/>\nEinmal in der Woche lehrte sie der Einsiedler das Bogenschie\u00dfen, den Umgang mit dem Messer, um auf der Jagd erfolgreicher zu sein. Das Entz\u00fcnden von Feuer, und wie man eine winterfeste Behausung baute und \u00fcberlebte. Er gab ihr Einblick in das Wesen der unsichtbaren Dinge, und die dunklen Gestalten, die im Wald lebten.<br \/>\nUnd er lehrte Sie, was ihren Schwestern widerfahren war.<\/p>\n<p>Es vergingen Jahr und Tag. Dann fand man den Bauern, auf dessen Hof die Waisen vor langer Zeit untergekommen waren, mit einem Pfeil in seinem Auge auf einem abgelegensten Feld.<br \/>\nEinige Wochen sp\u00e4ter lag der Priester in seiner kleinen Kappelle, den Kopf zerschmettert von einem Stein.<br \/>\nNachdem sich die Aufregung im Dorf gelegt hatte verstarb die \u00e4lteste Witwe des Dorfes. Anscheinend an Altersschw\u00e4che, doch war ihr Gesicht schreckensverzerrt und ihre H\u00e4nde schienen sich noch gegen einen Angreifer gewehrt zu haben.<br \/>\nUnd dann fand man am Fu\u00dfe der Treppe zum Heuboden den Witwer der mittleren Schwester. Jeder Knochen in seinem K\u00f6rper war gebrochen, und er musste lange dort gelegen haben. Schuld an seinem Tod hatte wohl sein Knecht. Denn der hatte sich selbst gerichtet, er hing an einem Tau mit einer Schlinge um seinem Hals in seinem Gemach.<\/p>\n<p>Angst und Schrecken machten sich im Dorf breit, und ohne Priester im Ort f\u00fcrchteten sich alle sehr vor der Dunkelheit, in der der Tod jetzt so h\u00e4ufig Einzug gehalten hatte. Sie beteten wie nie um Rettung, um Hilfe, um Schutz gegen die dunklen Tode.<\/p>\n<p>Als das M\u00e4dchen beim n\u00e4chsten mal den Einsiedler traf, sprach sie: \u00bbDein Rat war gut. M\u00f6gen alle tun, was ich getan habe. Das Leben ist ein Fest.\u00ab<br \/>\nDer Einsiedler nickte, als er seinen Dolch in ihr Herz trieb. \u00bbDu hast recht, doch Du hast meinen Rat nicht befolgt. Traue niemandem au\u00dfer Dir selbst.\u00ab<br \/>\nDann machte er sich auf den Weg ins Dorf, um den Bewohnern anzubieten, sie vor dem Schrecken der Nacht zu beh\u00fcten. Diesmal w\u00fcrden sie ihn nicht abweisen.<\/p>\n<p>DAS M\u00c4RCHEN VON DEN DREI WAISENKINDERN<br \/>\nMichael Scheuch<br \/>\nBurg Wilenstein, April 2017<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es waren einmal drei Waisenkinder, drei wundersch\u00f6ne M\u00e4dchen. Die lebten, nachdem ihre Eltern bei einem Bergrutsch ihren Hof und ihr Leben verloren hatten, auf dem Bauernhof ihres Onkels und mussten dort hart arbeiten. 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