{"id":60,"date":"2014-03-16T13:35:17","date_gmt":"2014-03-16T12:35:17","guid":{"rendered":"http:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/?p=60"},"modified":"2014-03-16T13:36:10","modified_gmt":"2014-03-16T12:36:10","slug":"echo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/echo\/","title":{"rendered":"Echo"},"content":{"rendered":"<h1>Echo<\/h1>\n<h2>\u00a0Der Geschichte um die Blauhelme erster Teil<\/h2>\n<h4>\u00a0Es ist das Jahr Achtundvierzig nach dem vorl\u00e4ufigen Ende der Finsternis. Diese Erz\u00e4hlung spielt im gleichen Zeitraum wie \u00bbDie Vereinbarung\u00ab aus dem D\u00e4monenboten 70 (Follow 412).<\/h4>\n<p>Es war einer der ersten w\u00e4rmeren Tage am neuen Hafen in Ureban na Xertes. Die sprie\u00dfenden ersten Bl\u00e4tter der B\u00fcsche und Str\u00e4ucher, die am Ufer standen, wurden von einem kalten, feuchten Wind durchzogen. Nur leicht schien die Nachmittagssonne durch einzelne, graue Wolkenfetzen hervor.<\/p>\n<p>Der kalte Wind machte Taz Breitbrust nichts aus. Der Goblin mit dunkelgr\u00fcner Hautfarbe sa\u00df mit nacktem Oberk\u00f6rper vor seiner kleinen, schlecht konstruierten H\u00fctte am \u00e4u\u00dfersten Rand des Hafens und brachte einen kleinen Topf mit einer klaren Fl\u00fcssigkeit zum Kochen, als Limm vorbeikam. \u00bbHey Taz,\u00ab sprach der Neuank\u00f6mmling fr\u00f6hlich. Limm war ebenfalls ein Goblin und die beiden waren f\u00fcr Wesen, die keine Goblins waren, nur durch ihre Kleidung zu unterscheiden. Limm trug ein langes, einfaches Kleidungsst\u00fcck in grauer Farbe, sowie einen Strohhut mit einer gro\u00dfen, mittlerweile an vielen Stellen aufgeriebenen Krempe. \u00dcber seiner Schulter trug er eine Angel, die mit vielen kleinen, zus\u00e4tzlichen Ger\u00e4tschaften versehen war. Niemand im neuen Hafen wusste genau, wie sie funktionieren, aber aufgrund seiner enormen Reichweite beim Auswerfen der Angel trug Limm den Beinamen &#8218;Weitwurf&#8216;.<\/p>\n<p>\u00bbGr\u00fc\u00df dich Limm. Wie bei\u00dfen sie denn heute?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWieder besser. Die Sonne treibt die Fische weiter an die Oberfl\u00e4che und da gehen sie mir an den Haken. Kreuzende Boote der anderen Fischer machen mir allerdings immer wieder Probleme. Kann aber sonst nicht klagen. Was kochst du da?\u00ab<!--more--><\/p>\n<p>\u00bbMuschelsuppe. Konnte heute das erste Mal wieder tauchen. Doch wie immer, keine Perlen.\u00ab Limm legte kurz einen mitleidsvollen Gesichtsausdruck auf. \u00bbWillst du auch welche? Dann werfe ich ein paar mehr hinein.\u00ab Weitwurf nickte nur, drehte sich um und schaute aufs Meer vor der Sch\u00e4delinsel hinaus. Man h\u00f6rte nur das Prasseln des Feuers und das leichte Ger\u00e4usch, das Wellen machen, wenn sie an Land gesp\u00fclt werden. Nachdem Taz die Muscheln in die Blasen werfende Fl\u00fcssigkeit warf, drehte sich Limm wieder zu ihm um.\u00bbWann hast du das letzte Mal ein fremdes Schiff hier in den Hafen ankern sehen?\u00ab<\/p>\n<p>Taz \u00fcberlegte kurz, bis er antwortete. \u00bbDas ist schon l\u00e4nger her. Mein Vater, der bekannte Gur, hat mir von Zeiten erz\u00e4hlt, als Massen an Wesen, die dem D\u00e4monenlord dienen wollten, hier ankamen. Doch in letzter Zeit&#8230; Vielleicht hat man uns jenseits des Ozeans schon wieder vergessen.\u00ab Bei diesen Worten zuckte Taz mit der Schulter und r\u00fchrte den Topf um. Limm nahm den Faden wieder auf.<\/p>\n<p>\u00bbDa vorne kommt auf jeden Fall ein Schiff.\u00ab Taz schaute auf, betrachtete den nur in der Ferne zu erkennende Einmaster. Dann wandte er sich wieder dem Topf zu. Er legte ein kleines St\u00fcck Holz nach. Es war Limm, der erneut das Gespr\u00e4ch weiterf\u00fchrte.<\/p>\n<p>\u00bbBei dem Wind brauchen die noch viele Momente, bis sie im Hafen ankommen. W\u00fcrde mich aber schon interessieren, wer auf dem Schiff ist. Wir k\u00f6nnten ja Mal schauen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbAber erst nach dem Essen, oder willst du keine Muschelsuppe mehr?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbSind wir fertig, bevor das Schiff den Hafen erreicht?\u00ab, fragte Weitwurf neugierig.<\/p>\n<p>\u00bbM\u00f6glich,\u00ab gab Taz abwesend zur\u00fcck. \u00bbWir k\u00f6nnten darum wetten&#8230;\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Limm musste im Nachhinein zugeben, dass es seinerseits nicht sehr schlau war, auf das zeitliche Ende einer Mahlzeit zu tippen, besonders nicht, wenn er gegen Taz wettete und zudem darauf setzte, dass das Ende des Verzehrs der Muschelsuppe noch vor dem Anlegen des Schiffes liegen m\u00f6ge. Taz hatte sich verhalten, als w\u00fcrde er im Palast des D\u00e4monenlords selbst zu Tische sitzen, wartend auf einen f\u00fcnften Gang. So zog sich das Essen endlos hin und das Schiff war schon l\u00e4ngst\u00a0 angekommen, bevor Breitbrust den letzten L\u00f6ffel nahm.<\/p>\n<p>Als sie in die N\u00e4he des Stegs kamen, an dem der Einmaster nun lag, erkannten sie, dass das Schiff in einem kaum seet\u00fcchtigen Zustand war. Wer auch immer darauf gesegelt war, konnte sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, heil in Ureban na Xertes angekommen zu sein, so das Urteil von Weitwurf. Breitbrust machte sich wenig aus Schiffen, Nautik und Navigation und nickte nur bei jedem Wort des anderen Goblins.<\/p>\n<p>Einige Momente sp\u00e4ter, Taz g\u00e4hnte bereits zum zweiten Mal, brach Limm seinen Vortrag ab, als jemand ihm eine Hand auf die Schulter legte. Limm drehte sich um, erkannte den Goblin sofort und umarmte ihn herzlich.<\/p>\n<p>\u00bbTaz, das hier ist mein Cousin m\u00fctterlicherseits. Sein Name ist Dogo.\u00ab Breitbrust betrachtete den Verwandten Weitwurfs und erkannte sofort die gro\u00dfe Familien\u00e4hnlichkeit. Er trug einen Gehrock mit einem Muster aus Schwarz und Grau sowie ein graues Hemd. In der rechten Hand hielt er einen K\u00e4fig aus Metall, in dem sich ein Hahn befand. Das Tier hatte rot unterlaufene Augen. Es schabte mit seinen F\u00fc\u00dfen am Boden des K\u00e4figs gegen das Metall. Taz Augen blieben auf dem Vogel h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>\u00bbFragst dich sicher, was ich mit der Kreatur will, Taz\u00ab, sprach Dogo ihn direkt an. \u00bbGleich geht&#8217;s f\u00fcr den Jungen hier in den Ring. Hoffe, er wird\u2019s nach Hause bringen. Wenn ja, d\u00fcrfen wir das andere Tier mitnehmen. Das kommt dann heute Abend auf den Teller. Ne, Junge, du machst das.\u00ab Bei den letzten Worten streckte Dogo einen Finger in den K\u00e4fig. Das Tier pickte sofort mit seinem Schnabel wild darauf ein. Sein Besitzer zog den Finger schnell wieder hinaus. \u00bbJa, der Junge ist hei\u00df auf den Kampf.\u00ab Er leckte sich kurz den Finger, da dieser nun leicht blutete und fragte: \u00bbWas treibt euch denn heute hierhin? Habt ihr euch das Schiff angesehen?\u00ab<\/p>\n<p>Limm antwortete: \u00bbHaben wir. Leider haben wir nicht gesehen, wer damit gereist ist.\u00ab Weitwurf warf Taz einen b\u00f6sen Blick zu. Dogo unterbrach ihn: \u00bbIch hab&#8217;s gesehen. Wenn ihr mitkommt, zum Kampf, dann kann ich&#8217;s euch auf dem Weg erz\u00e4hlen. Hab schon zu lange hier mit euch gestanden. Ich muss zu einer Lagerhalle im Handelshafen, nah am Drogenauktionshaus. Also, kommt ihr mit?\u00ab Limm und Taz nickten. Die Drei machten sich auf den Weg.<\/p>\n<p>\u00bbWer war denn nun auf dem Schiff?\u00ab, fragte Limm mit schneller Stimme und unterbrach das Schweigen, das die Worte des zuvor in der Gruppe gef\u00fchrten Gespr\u00e4ches verdr\u00e4ngt hatte.<\/p>\n<p>\u00bbKeine Ahnung, ich kannte den nicht.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDen? War es nur einer? Auf dem ganzen Schiff?\u00ab Taz war erstaunt.<\/p>\n<p>\u00bbJap. &#8218;Nen riesiger Mensch, sicher seine sechs Fu\u00df hoch. Man hat auch gleich gesehen, dass der aus Albyon kommen musste. Trug so einen dieser R\u00f6cke.\u00ab Die drei Goblins kamen an eine Kreuzung und bogen rechts ab. Aus der Ferne konnte man das f\u00fcr den Handelshafen \u00fcbliche Schreien der H\u00e4ndler schon leise vernehmen.<\/p>\n<p>Taz hakte nach: \u00bbWar es wirklich nur einer? Wie soll der denn alleine das Schiff durch die ganzen Riffe vor der Sch\u00e4delinsel hierher gebracht haben?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWird wohl gewusst haben, dass man &#8217;nen toten Steuermann braucht. Aber das wei\u00df hier auf der Insel ja jedes Kind, au\u00dfer wohl dir, Breitbrust. Zwei andere bleiche Menschen haben den Riesen sofort eingesammelt, noch bevor der Festland betreten konnte.\u00ab Die Stimmen des Marktes wurden lauter. Taz kratzte sich am Kopf, sodass kleine Hautschuppen auf den Boden fielen. \u00bbIch werde daraus nicht schlau\u00ab, murmelte er vor sich hin. Die drei Goblins gingen noch einige Schritte weiter und standen vor dem Ziel ihrer kurzen Reise \u2013 einer kleinen, im Schatten liegenden T\u00fcr einer Nebengasse. Dogo schaute nach rechts, Dogo schaute nach links, dann klopfte er an die T\u00fcr. Zweimal langsam und dann zweimal sehr schnell. Man h\u00f6rte ein Schloss sich drehen und dann die T\u00fcr einen Spalt weit aufgehen. Dogo schob eine M\u00fcnze durch den sich ergebenen Schlitz, dann schloss sich die T\u00fcr wieder. \u00bbWas machen wir hier?\u00ab fl\u00fcsterte Taz. Der Goblin mit dem K\u00e4fig in der Hand antwortete ihn in normaler Lautst\u00e4rke: \u00bbHier gibt\u2019s so Mittel f\u00fcr die Tiere. Macht sie noch &#8217;nen Tick aggressiver und schneller.\u00ab \u00bbWieso verkauft man das Zeug dann nur hier?\u00ab \u00bbAch Taz, du bist echt nicht der Hellste. Damit das Zeug nicht jeder hat\u00ab, antwortete ihm Weitwurf. \u00bbSo isses,\u00ab best\u00e4tigte\u00a0 Dogo, bevor er bemerkte, dass sich unten an der T\u00fcr eine kleine Klappe \u00f6ffnete und ein kleines, rundes Fl\u00e4schchen hervor geschoben wurde. Er nahm die Flasche, \u00f6ffnete sie und goss sie \u00fcber das Tier. Dies schlug daraufhin mit seinen Fl\u00fcgeln, erst langsam, dann immer wilder, um dann laut zu gackern, zuerst blau und dann leicht gr\u00fcn anzulaufen, sich im Kreis zu drehen, dreimal zu springen und schlussendlich wieder in seinen urspr\u00fcnglichen Zustand zur\u00fcckzukehren. Die drei Goblins betrachteten mit staunenden Blicken das Farbenspiel, bevor Dogo wortlos die Flasche in eine seiner Taschen steckte, den K\u00e4fig ergriff und zur\u00fcck zu der gr\u00f6\u00dferen Stra\u00dfe ging, von der die Gruppe gekommen war.<\/p>\n<p>Taz und Limm warteten sitzend im Schatten des Drogenauktionshauses, w\u00e4hrend Dogo nach einem Gegner f\u00fcr sein Tier Ausschau hielt. Limm ergriff zuerst das Wort: \u00bbSag mal, Taz, wie bekommste eigentlich die Muscheln so gut hin?\u00ab- \u00bbIch benutze Salzwasser zum Kochen, und meine ureigenste geheime Zutat.\u00ab &#8211; \u00bbGeheime Zutat? Was nimmst du da?\u00ab &#8211; \u00bbWenn ich es dir erz\u00e4hlen w\u00fcrde, w\u00e4re es ja wohl nicht mehr geheim.\u00ab &#8211; \u00bbStimmt, aber gibt es eine M\u00f6glichkeit, dass du es mir verr\u00e4tst?\u00ab &#8211; \u00bbSchon, vielleicht als Wetteinsatz.\u00ab Beide schauten hin\u00fcber zum Markt. Vielleicht gab es dort einen Vorfall, auf dessen Ausgang man wetten k\u00f6nnte. So schwiegen sie, hielten Ausschau und warteten auf Dogo. Einige Augenblicke sp\u00e4ter schaute Weitwurf zu Breitbrust fragend her\u00fcber, doch sein Blick blieb auf der Brust des Goblins h\u00e4ngen. \u00bbWas hast du denn da f\u00fcr einen gro\u00dfen, blauen Fleck auf der Brust?\u00ab Taz schaute an sich herunter. Ein handgro\u00dfer, k\u00f6nigsblauer Fleck befand sich dort. Er hatte eine starke Intensit\u00e4t und lie\u00df sich trotz den ersten Versuchen des Tauchers weder abrubbeln, noch verwischen. \u00bbTaz? Was wirst du denn so bleich?\u00ab fragte Limm, doch sein Gef\u00e4hrte regte sich nicht mehr. Seine Augen wurden glasig. Weitwurf erhob sich und sch\u00fcttelte an seinen Schultern, benetzte sein Gesicht mit einigen Tropfen Wasser und gab ihm eine Ohrfeige. Er bewegte sich weiterhin nicht. Der Fischer wurde nerv\u00f6s, ging einige Schritte hin und her und klopfte sich mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger auf der Stirn herum. In diesem Moment drang eine laute, tiefe Stimme vom Marktplatz her\u00fcber:<\/p>\n<p>\u00bbIhr, Diener Satakis, der D\u00e4monenrat ruft zum Krieg gegen die V\u00f6lker von Ordnung und Licht auf. Meldet euch im Heerlager! Jeden von euch erwarten Ruhm, Ehre und Sch\u00e4tze im \u00dcberfluss. Meldet euch im Heerlager. In zehn Tagen brechen die glorreichen Heere zu Diensten des D\u00e4monenlords unter der F\u00fchrung des Sch\u00e4deltr\u00e4gers Samsa auf. Meldet euch im Heerlager!\u00ab<\/p>\n<p>Limm war w\u00e4hrend dieser Worte wie gefesselt. Ein leises L\u00e4cheln umspielte seine Lippen, doch sein Blick war weiterhin auf den anderen Goblin gerichtet, doch bei dem Namen Samsa sprang dieser panisch auf, w\u00fcrdigte seinen Freund keines Blickes oder Wortes und fl\u00fcchtete in die n\u00e4chstbeste Gasse. Das war die letzte Gelegenheit, zu der er seinen Freund sah.<\/p>\n<p><strong>Echo<\/strong><br \/>\n<em>Der Geschichten um die Blauhelme erster Teil<\/em><br \/>\nJ\u00f6rg Meierotte<br \/>\nFrankfurt am Main, Buchenau<br \/>\nDezember 2012, 2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Echo \u00a0Der Geschichte um die Blauhelme erster Teil \u00a0Es ist das Jahr Achtundvierzig nach dem vorl\u00e4ufigen Ende der Finsternis. Diese Erz\u00e4hlung spielt im gleichen Zeitraum wie \u00bbDie Vereinbarung\u00ab aus dem D\u00e4monenboten 70 (Follow 412). 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