{"id":37,"date":"2013-03-16T12:20:34","date_gmt":"2013-03-16T11:20:34","guid":{"rendered":"http:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/?p=37"},"modified":"2013-06-01T12:12:12","modified_gmt":"2013-06-01T11:12:12","slug":"auf-der-spur-der-nacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/auf-der-spur-der-nacht\/","title":{"rendered":"Auf der Spur der Nacht"},"content":{"rendered":"<h6>In der Geschichte <a title=\"Die Stunde der D\u00e4monen\" href=\"http:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/?p=24\">Die Stunde der D\u00e4monen<\/a> beobachtet Azi Azatoth der J\u00fcngere zum ersten Mal, was in manchen N\u00e4chten in der Hauptstadt der Sch\u00e4delinsel vor sich geht: wie entfesselt jagen D\u00e4monen die menschlichen und anderen nat\u00fcrlich geborenen Einwohner der Stadt, woran sich aber am darauffolgenden Morgen kaum jemand zu erinnern vermag. Wer in dieser Stunde stirbt, lebt weiter, keine der angerichteten Zerst\u00f6rungen ist zu finden.<\/h6>\n<p><em>Was ist der Sinn? <\/em><br \/>\n<em>Warum geschieht es? <\/em><br \/>\n<em>Wohin f\u00fchrt der Weg? <\/em><br \/>\n<em>Weshalb jetzt, hier, mir?<\/em><\/p>\n<p>Niemand hatte es mehr gewagt, in der Stunde der D\u00e4monen sein Haus, sein Appartement, ja die H\u00e4user auf der Stra\u00dfenseite, an der seine Wohnung lag, anzugreifen.<br \/>\nNachtragender als ein D\u00e4mon war kein Wesen auf den Welten, und nachtragender als der Stellvertreter des D\u00e4monenlords war keiner der D\u00e4monen. Vielleicht der D\u00e4monenlord selber, aber wer konnte das schon sagen.<\/p>\n<p>Azi Azatoth der J\u00fcngere hatte seinen Platz eingenommen, auf der obersten Stufe der Treppe, die zu seinem Haus f\u00fchrte.<br \/>\nIm Vergleich war in dieser Stra\u00dfe wenig los, ein paar panisch schreiende Menschen und andere Wesen, nur vereinzelt D\u00e4monen mit stumpfen oder scharfen Gegenst\u00e4nden \u2013 nicht nur Waffen, auch alles andere, das sich in Vorratskammern, L\u00e4den oder Wohnungen befand. Die Stunde der D\u00e4monen schien den Spieltrieb in den vielen unruhigen Geistern der Stadt zu bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Wieder steckte ein kleines St\u00fcck Pergament in der Ritze zwischen zwei Quadern, die den Treppenabsatz bildeten.<\/p>\n<p>Er wusste schon, was in kleinen, feinen, geschwungenen Lettern auf das Leder geschrieben war. \u00bbIch w\u00fcrde mich freuen, wenn Sie zu dieser Stunde mein Gast w\u00e4ren. Ehrerbietigst, Sternsnacht.\u00ab<br \/>\nAllerdings war es nicht in jeder Nacht dieselbe Notiz, nein, Form, Gr\u00f6\u00dfe und Tintenfarbe variierten.\u00a0 In dieser Nacht w\u00fcrde er die Einladung annehmen. Diesen Entschluss zu fassen hatte ihn fast eine Woche gekostet. Eine Woche und einen sehr langen Blick auf das Chaos zu seinen F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Also erhob er sich und machte sich auf den Weg, nur ein Stadtviertel weiter durch die \u00fcbervollen Stra\u00dfen. Entlang der H\u00e4userzeilen, von allen \u00fcbersehen, nur manchmal beinahe \u00fcber den Haufen gerannt, doch er wusste auszuweichen.<\/p>\n<p>Das Haus des Magiers lag am Ende einer Sackgasse, ein gro\u00dfes Tor verbarg den Innenhof des Geb\u00e4udes. Da Sackgassen bei fliehenden Stadtbewohnern recht unbeliebt waren, wurde es hier schnell ruhiger. Vor kurzem mussten sich ein paar verlaufen haben oder waren einfach nur falsch abgebogen, aber auch die waren inzwischen ruhig.<\/p>\n<p>Der Sch\u00e4deltr\u00e4ger \u00f6ffnete ohne anzuklopfen die T\u00fcr, die in das gro\u00dfe Tor eingelassen war und schl\u00fcpfte hindurch. Im Schein zweier Fackeln stand eine dunkle Gestalt, rammte seinen gro\u00dfen Stab auf den Boden und br\u00fcllte mit tiefer, durchdringender Stimme: \u00bbDu kommst hier nicht vorbei.\u00ab<!--more--><\/p>\n<p>Azi Azatoth sch\u00fcttelte missbilligend den Kopf.<br \/>\n\u00bbSternsnacht.\u00ab Ein nicht nur leicht genervter Unterton. Fast bereute er schon, in dieser Nacht hergekommen zu sein.<br \/>\nEin helles Lachen, die Magierin warf ihre blonden Haare nach hinten und lie\u00df ihre wei\u00dfen Z\u00e4hne blitzen.<br \/>\n\u00bbAzatoth. Wie ich mich freue. Dass ihr mich beehrt macht mich froh. Und gl\u00fccklich. L\u00e4sst mich \u2026\u00ab<br \/>\n\u00bbH\u00f6rt auf.\u00ab<br \/>\nWieder das helle Lachen, Sternsnacht drehte sich um und lief z\u00fcgig \u00fcber den Innenhof auf eine weitere T\u00fcr zu. Das luftige Kleid flatterte, sie hinterlie\u00df einen s\u00fc\u00dfen Duft aus Fr\u00fchlingsblumen. Aus der T\u00fcr\u00f6ffnung drangen Licht und mehrstimmiges St\u00f6hnen.<br \/>\n\u00bbEs ist wirklich wahr: ich freue mich, Euch zu sehen. Ich sehe in diesen N\u00e4chten sonst niemanden, der nicht zu besch\u00e4ftigt w\u00e4re, um sich gepflegt mit mir zu unterhalten. Mit morden, foltern, qu\u00e4len, jagen, schlagen, \u2026\u00ab<br \/>\n\u00bbSternsnacht, ihr macht es mir nicht leicht, gerne hier zu sein.\u00ab<br \/>\nSie ging nicht darauf ein.<br \/>\n\u00bbDer j\u00fcngere Azatoth. In meinem Haus, was f\u00fcr eine Ehre.\u00ab<br \/>\nIhre Augen blitzten, ein L\u00e4cheln, nicht zu breit, und vielleicht ein vertrautes Zwinkern.<br \/>\n\u00bbIch muss endlich mit jemandem reden, der diese Stunde genau so faszinierend findet wie ich, ohne von ihr besessen zu sein wie all die anderen.\u00ab<br \/>\n\u00bbUnd das soll ich sein?\u00ab sagte der Sch\u00e4deltr\u00e4ger\u00ab<br \/>\n\u00bbNun, wenn man Nacht um Nacht auf den Stufen seines Hauses sitzt und in die Menge starrt, dann k\u00f6nnte es schon sein, dass man das Geschehen fasziniert verfolgt.\u00ab<br \/>\n\u00bbOder man kann einfach nicht schlafen bei dem Radau und wartet darauf, dass es vor\u00fcber geht.\u00ab<br \/>\n\u00bbDas war meine zweite Erkl\u00e4rung f\u00fcr Euer Verhalten, aber ich w\u00fcnschte mir nun mal so sehr, dass ihr meinen Wissensdurst zu diesem Ph\u00e4nomen teilt.\u00ab<\/p>\n<p>Azi Azatoth folgte der jungen Frau in die Remise, in dem sich eine Reihe von Menschen befand. Sie waren allesamt fest gekettet, manche an der Wand, einige auf Tischen und B\u00e4nken. Als Sternsnacht und der Sch\u00e4deltr\u00e4ger den Raum betraten wurde ihr St\u00f6hnen leiser. Schreckensstarr, mit weit aufgerissenen Augen starrten die M\u00e4nner und Frauen auf Sternsnacht. Den Dunkelelben beachteten sie nicht.<\/p>\n<p>\u00bbWerter Azatoth, dabei bin ich mir so sicher, dass Ihr mir helfen k\u00f6nntet, dieses Ph\u00e4nomen zu erforschen, diese Eruption aus d\u00e4monischer Gewalt in fast jeder Nacht dieses Sommers. Mehr kann ich noch nicht sagen, wie h\u00e4ufig es geschieht \u2026\u00ab<br \/>\n\u00bbJede Nacht.\u00ab<br \/>\n\u00bbIch habe N\u00e4chte, in denen ich nicht wach werde und mich, hmm, an diesem Ort befinde,\u00ab erwiderte Strensnacht.<br \/>\n\u00bbIch nicht.\u00ab Azi Azatoth seufzte. Und \u00e4rgerte sich sofort. Dieses Seufzen. Er hatte sich fest vorgenommen, es sich wieder abzugew\u00f6hnen. Ygor schwafelte etwas davon, dass es sehr entspannend und geradezu f\u00fcr das geistige Wohl unabdingbar notwendig sei, zu seufzen. Schlechte Gedanken w\u00fcrden so den K\u00f6rper verlassen. Beebaq vertrat die These, dass sich die Bauchmuskulatur lockere und so das Seufzen zu einer gesunden Verdauung beitragen w\u00fcrde.<br \/>\nW\u00fctend wischte Azi Azatoth diese Gedanken beiseite und seufzte noch einmal. Verdammt.<\/p>\n<p>\u00bbFaszinierend, sage ich da.\u00ab Jetzt grinste Sternsnacht breit. \u00bbIch bin \u00fcbrigens gleich fertig, dann k\u00f6nnen wir uns in meinem Studierzimmer an den Kamin setzen. Ist es nicht merkw\u00fcrdig, dass das Feuer brennt aber das Holz nicht verzehrt wird? Das gilt ja auch f\u00fcr die Fackeln. Ich bin allerdings recht froh dar\u00fcber. Ich m\u00fcsste sonst meinen Einkauf an Brennholz fast verdoppeln. Und das geht dann ins Geld.\u00ab<br \/>\nSternsnacht wandte sich einem Kessel zu, der \u00fcber einer Feuerstelle hing. Die Fl\u00fcssigkeit darin hatte zu sieden begonnen. Sternsnacht griff nach zwei dicken Lappen, packte den Kessel und sch\u00fcttete das \u00d6l, um das es sich wohl handelte, \u00fcber den neben der Feuerstelle gefesselten Man. Es zischte, der Mann schrie laut auf und h\u00f6rte nicht auf damit.<br \/>\nSternsnacht sch\u00fcttelte den Kopf.<br \/>\n\u00bbHmm, das war jetzt wohl nicht so schlau. Andererseits ist es wohl egal, wo ich anfange\u00ab.<br \/>\nDer j\u00fcngere Azatoth trat einen Schritt zur\u00fcck und verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust. Steile Falten zeigten sich auf seiner Stirn. Und wieder dachte er dar\u00fcber nach, wie einfach es doch gewesen war, das St\u00fcck Pergament so viele N\u00e4chte zu ignorieren.<\/p>\n<p>Sternsnacht schien es jetzt eilig zu haben: den n\u00e4chsten sechs ihrer Gefangenen trennte sie mit einem gro\u00dfen, scharf geschliffenen Beil verschiedene Gliedma\u00dfen ab: ein Fu\u00df, ein Unterschenkel, ein ganzes Bein, eine Hand, einen Unterarm, einen ganzen Arm. Das Geschrei wurde ohrenbet\u00e4ubend, und das Blut sammelte sich auf Wand, Boden und Kleid der jungen Magierin.<br \/>\nAzi Azatoth \u00fcberschlug schnell die Anzahl der noch unverletzten Menschen im Raum, die inzwischen laut schreiend und an ihren Fesseln zerrend ihren Teil zum infernalischen L\u00e4rm beitrugen. In geschlossenen R\u00e4umen wirkten die Schmerzensschreie um ein vielfaches pr\u00e4senter als auf der Stra\u00dfe.<br \/>\nHier ein eingedr\u00fccktes Auge, da eine herausgerissene Zunge, ein zerberstender Sch\u00e4del: Sternsnach ging ruhig, schnell und entschlossen von einem zum anderen. Als hielte sie sich an eine seit Langem auswendig gelernte Zeremonie. Ja, die Leichtigkeit und Beschwingtheit mit der sie sich bewegte hatte etwas t\u00e4nzerisches, pr\u00e4zise Einstudiertes.<\/p>\n<p>In der gleichen flie\u00dfenden Bewegung legte sie das zuletzt verwendete scharfe Messer wieder an seinen Platz auf dem Tisch und streifte ihr Kleid ab, warf es ins Feuer \u2013 das es fast erstickte.<\/p>\n<p>\u00bbDas ist \u2026 erstaunlich. Morgen wird es wieder in meinem Kleiderschrank h\u00e4ngen. Ist das nicht \u2026 erstaunlich`?\u00ab<br \/>\nAzi Azatoth nickte und ging vor ihr zur\u00fcck in den Innenhof. Sternsnachts Schreckenstanz hatte nur wenige Augenblicke gedauert, die Schreie waren ohrenbet\u00e4ubend.<br \/>\nDie junge Magierin, nackt und blutverschmiert, t\u00e4nzelte um den Sch\u00e4deltr\u00e4ger herum und ging den Weg auf eine gegen\u00fcberliegende verschlossene T\u00fcr vor.<br \/>\n\u00bbIch werde mich kurz frisch machen, ihr d\u00fcrft uns von dem Gerstengebrannten schon mal einschenken. Nehmt ruhig das teuerste Tr\u00f6pfchen, das ihr finden k\u00f6nnt. Denn, ihr k\u00f6nnt Euch das schon denken, die Flasche wird morgen wieder gef\u00fcllt an ihrem Platz stehen. Es ist \u2026\u00ab<br \/>\n<a href=\"http:\/\/wolkenfels.deviantart.com\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-38\" style=\"margin: 5px;\" title=\"Sternsnacht - Wolkenfels\" alt=\"db_illu_by_wolkenfels-d5xkths\" src=\"http:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/db_illu_by_wolkenfels-d5xkths-1024x712.jpg\" width=\"640\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/db_illu_by_wolkenfels-d5xkths-1024x712.jpg 1024w, https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/db_illu_by_wolkenfels-d5xkths-300x208.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a>\u00bbErstaunlich\u00ab,\u00a0 vollendete ein brummelnder Sch\u00e4deltr\u00e4ger den Satz. Im gro\u00dfen, mit Wandteppichen geschm\u00fcckten Raum fand sich der versprochene Kamin mit zwei Lehnsesseln, ein kleiner Tisch mit zwei Kristallgl\u00e4sern und an der Wand ein Regal mit etlichen Flaschen, alle mit Fl\u00fcssigkeiten gef\u00fcllt, die zwischen zartem Honig-gelb und tiefdunklem Bernsteinfarben gef\u00fcllt waren. Leider wusste der Sch\u00e4deltr\u00e4ger nicht, welches der teuerste Band war, also griff er einen farblich in konsensf\u00e4higer Mitte befindlichen. Er zog den Korken, roch daran und nickte.<\/p>\n<p>Aus einem etwas weiter entfernten Zimmer war ein kurzes Platschen zu h\u00f6ren, dann kam eine etwas weniger blutverschmierte Sternsnacht zur\u00fcck ins Zimmer. Azi Azatoth schenkte die Gl\u00e4ser ein.<br \/>\n\u00bbAzatoth, es tut mir leid, dass ihr bei meinem Experiment dabei sein musstet, allerdings w\u00e4re die Reihe unterbrochen worden, wenn ich heute die Versuchsanordnung nicht durchgef\u00fchrt h\u00e4tte.\u00ab<br \/>\nAzi Azatoth nahm einen Schluck.<br \/>\n\u00bbWenn ich Blut, Ged\u00e4rme und schreiende Menschen sehen will, dann kann ich auch auf meinem Treppenabsatz sitzen bleiben\u00ab, sagte er.<br \/>\nSternsnacht l\u00e4chelte, diesmal mit Tendenz zum Grinsen.<br \/>\n\u00bbJa, das schon. Aber seht ihr diese Menschen auch am Tage?\u00ab<br \/>\nAzi Azatoth sah sie fragend an.<br \/>\n\u00bbDarum geht es hier. Ich m\u00f6chte herausfinden, was diese N\u00e4chte f\u00fcr die normalen Menschen, die in der Stunde der D\u00e4monen gefangen, gepeinigt, ermordet werden, wirklich bedeuten.\u00ab<br \/>\nAzi Azaoth blickte ins Glas.<br \/>\n\u00bbMein Gefolge gab nach dieser ersten Nacht an, schlecht getr\u00e4umt zu haben, ansonsten deutete nichts darauf hin, dass in dieser Nacht irgendetwas geschehen war.\u00ab<br \/>\n\u00bbGenau\u00ab, stimmte Sternsnacht zu. \u00bbEs deutet zun\u00e4chst mal nichts darauf hin. Aber stimmt das auch?\u00ab<br \/>\n\u00bbIhr werdet es mir sagen.\u00ab<br \/>\nWieder das glockenhelle Lachen und die nach hinten geworfenen Haare.<br \/>\n\u00bbF\u00fcr endg\u00fcltige Aussagen ist es noch zu fr\u00fch, und au\u00dferdem m\u00fcsst ihr bedenken, dass ich ja nicht jede Nacht hier bin. Was ich Euch beneide.\u00ab<br \/>\n\u00bbUnsinn\u00ab, murmelte Azatoth.<br \/>\n\u00bbEs gibt so vieles, was ich an diesem Ph\u00e4nomen noch nicht verstehe, aber ich denke, dass die Frage, was dieses Ph\u00e4nomen ausl\u00f6st erst verstanden werden kann, wenn wir wissen, was es f\u00fcr den ganz normalen Alltag in Ureban Na Xertes bedeutet. Und wenn es etwas f\u00fcr den Alltag bedeuten sollte, dann m\u00fcsste man es mit gezielten Experimenten sichtbar machen k\u00f6nnen, oder?\u00ab<br \/>\n\u00bbEs ist Eure Magie.\u00ab<br \/>\nZum ersten Mal ein unwirscher Blick, der nicht zur jungen Frau passte, die vor dem Sch\u00e4deltr\u00e4ger sa\u00df.<br \/>\n\u00bbEs ist keine Magie. Es ist Beobachtung. Es ist Logik. Es ist Versuch, Theorie, Beweis, Gegenthese, Falsifikation. Alles das.\u00ab<br \/>\n\u00bbKlingt f\u00fcr mich nach \u2013 verbotener Magie.\u00ab<br \/>\nSternsnacht schien sich ihrer Nacktheit bewusst zu werden und langte nach einer Decke.<br \/>\n\u00bbIch wei\u00df, Sire, nur: wer hat sie wem wann verboten und bin ich an so etwas gebunden?\u00ab<br \/>\nKurzes Schweigern<br \/>\n\u00bbNat\u00fcrlich nicht\u00ab, stellte der Sch\u00e4deltr\u00e4ger fest.<\/p>\n<p>Beide nahmen einen Schluck aus ihren Gl\u00e4sern. Azi Azatoth konnte jetzt seinerseits ein Grinsen nicht unterdr\u00fccken.<br \/>\n\u00bbDas bedeutet also, dass ihr Beobachtungen anstellt. An diesen Menschen da drau\u00dfen \u00fcber den Hof?\u00ab<br \/>\n\u00bbGenau! Ich versuche zu erkennen, ob diese N\u00e4chte etwas f\u00fcr sie bedeuten oder ob sie einfach so ihr ganz normales Leben weiterleben.\u00ab<br \/>\n\u00bbUnd daher tut ihr \u2026 was?\u00ab Allerdings hatte Azi Azatoth das Gef\u00fchl, die Antwort schon zu kennen.<br \/>\n\u00bbIch beobachte sie am Tage. Wisst ihr, der eine ist mein Nachbar, der mit dem Auge weniger. Das dunkelhaarige M\u00e4dchen arbeitet unter meinen Bediensteten. W\u00e4scht meine W\u00e4sche. Der Dicke auf dem Tisch ist normalerweise mein Assistent bei Experimenten, aber leider kann er mir in diesem Fall ja nicht helfen.\u00ab<br \/>\n\u00bbVerstehe\u00ab.<br \/>\n\u00bbNicht wahr?\u00ab<br \/>\n\u00bbVerstehe \u2026 fast.\u00ab<br \/>\n\u00bbAch so, ja, also: um ein valides Ergebnis zu erzielen widerf\u00e4hrt ihnen in jeder Nacht, in der ich bei der Stunde der D\u00e4monen anwesend sein darf, das selbe.\u00ab<br \/>\nAzi Azatoth nickte. Eine nachvollziehbare Versuchsanordnung.<br \/>\n\u00bbIhr habt schon Erkenntnisse?\u00ab<br \/>\nSternsnacht wickelte sich tiefer in die Decke.<br \/>\n\u00bbIch glaube f\u00fcr ein endg\u00fcltiges Fazit ist es noch zu fr\u00fch. Aber: es k\u00f6nnte sein, dass diese Nacht nicht spurlos an ihnen vor\u00fcber geht.\u00ab<br \/>\n\u00bbWoran macht ihr das fest?\u00ab<br \/>\n\u00bbNun, mein Nachbar klagt dar\u00fcber, dass sein Augenlicht schw\u00e4cher geworden sei und hat mich darauf angesprochen, wie man ein Augenglas sich anpassen lassen k\u00f6nnte. Es st\u00f6re ihn nur beim Lesen, sagte er. Und nur auf einem Auge.\u00ab<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich, Sternsnacht konnte es sich nicht verkneifen zu zwinkern. Der j\u00fcngere Azatoth unterdr\u00fcckte diesmal das Seufzen. Soll man nicht machen, sagt Ygor.<br \/>\n\u00bbMein Assistent scheint manchmal etwas zu humpeln \u2013 ich \u00fcberlege gerade, weil er ein wirklich guter Assistent ist, ihn aus der Versuchsanordnung zu nehmen. Und das M\u00e4dchen klagt \u00fcber Unterleibsschmerzen \u2013 nicht nur zur Mondzeit, nein, viel h\u00e4ufiger.\u00ab<br \/>\nAzi Azatoth nickte.<br \/>\n\u00bbDas alles ist noch nicht Beweis genug, Sch\u00e4deltr\u00e4ger. Aber ich habe den Verdacht, dass dieser n\u00e4chtliche Schabernack nicht ohne Folgen bleiben wird.\u00ab<\/p>\n<p>Azi Azatoth erhob sich.<br \/>\n\u00bbIch werde Euch wieder besuchen.\u00ab<br \/>\nAuch Sternsnach stand auf, lie\u00df die Decke fallen.<br \/>\n\u00bbBitte tut das. Es gibt noch so viel zu erforschen. Etwa: habt ihr unter den fliehenden irgendwelche Untoten gesehen? Ich nicht. Aber was hei\u00dft das? Was ist mit den Nachtmahren? Und wieso sind bei Weitem nicht alle D\u00e4monen erwacht?\u00ab<br \/>\n\u00bbFragen \u00fcber Fragen.\u00ab<\/p>\n<p>Als Azi Azatoth der J\u00fcngere erwachte, schien die Sonne bereits hell in sein Zimmer. Gab es einen Grund aufzustehen?<br \/>\nVielleicht ging es ja auch um die Frage: was machten diese Tage mit der Stunde der D\u00e4monen?<br \/>\nWelche Folgen ergeben sich aus dem ganz normalen Leben in Ureban Na Xertes f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen?<br \/>\nEr zog sich die Decke \u00fcber den Kopf und drehte sich wieder zur Seite. Verfluchte Sternsnacht: vollkommen ausgeschlossen, dass er weiter tatenlos dabei sitzen konnte.<\/p>\n<p>Der Ureban-Zyklus<br \/>\nAUF DER SPUR DER NACHT<br \/>\nMichael Scheuch<br \/>\nBickenbach, Februar\/M\u00e4rz 2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Geschichte Die Stunde der D\u00e4monen beobachtet Azi Azatoth der J\u00fcngere zum ersten Mal, was in manchen N\u00e4chten in der Hauptstadt der Sch\u00e4delinsel vor sich geht: wie entfesselt jagen D\u00e4monen die menschlichen und anderen nat\u00fcrlich geborenen Einwohner der Stadt, &hellip; <a href=\"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/auf-der-spur-der-nacht\/\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,4],"tags":[],"class_list":["post-37","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-der-ureban-zyklus","category-story"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43,"href":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37\/revisions\/43"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}