{"id":20,"date":"2013-02-24T12:22:27","date_gmt":"2013-02-24T11:22:27","guid":{"rendered":"http:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/?p=20"},"modified":"2013-02-24T12:25:35","modified_gmt":"2013-02-24T11:25:35","slug":"jeljababs-schlechter-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/jeljababs-schlechter-tag\/","title":{"rendered":"Jeljababs schlechter Tag"},"content":{"rendered":"<p>Geschichte von Britta Ketelsen<\/p>\n<p>Manchmal\u00a0 sind es die kleinen Dinge, die geschehen und die gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen nach sich ziehen.<br \/>\nJeljabab hatte diesen Tag begonnen wie so viele Tage zuvor in den letzten hundert Jahren. Er folterte ein bi\u00dfchen seine derzeitige Lieblingskonkubine, die erb\u00e4rmlich schrie, als er ihr tiefe L\u00f6cher in die Innenseite ihrer Schenkel bi\u00df, und ihm so ein tiefes Gef\u00fchl der Befriedigung verschaffte, die all ihre verzweifelten Versuche ihm eine andere Form der Befriedigung am Vorabend zu bieten, bei weitem \u00fcbertraf. Dann suhlte er seinen dunklen, mit dicken Borsten \u00fcberzogenen K\u00f6rper in seinem Schlammbad und sah zu, wie die dicken Zecken und Fl\u00f6he versuchten, auf h\u00f6her gelegene Stellen seines Leibes zu fliehen, um nicht in dem z\u00e4hen, gelben Schlamm zu ersaufen. Er zerquetschte ein, zwei der kleinen Plagegeister und lutschte sie gedankenverloren aus, w\u00e4hrend sein Leibdiener sich darin \u00fcbte, die dicken eitrigen Furunkel am Anus seines Herren auszudr\u00fccken.<br \/>\nJeljabab geno\u00df den Schmerz, und der Gestank des Eiters, der in z\u00e4hen F\u00e4den in das Schlammbad tropfte, weckte z\u00e4rtliche Erinnerungen an Geliebte vergangener Tage, die er schon vor langer Zeit verdaut hatte.<br \/>\nWie jeden Tag erhob er sich, um sich ein Fr\u00fchst\u00fcck auf den\u00a0 Stra\u00dfen Urebans zu besorgen, irgend eine leckere, lebendige Kleinigkeit. Die M\u00e4rkte und Stra\u00dfen Ureban na Xertes waren besser geeignet als die jede andere Stadt Magiras, um den Gaumen eines Genie\u00dfers mit ausgesuchten Leckereien zu beliefern. Jeljabab sch\u00e4tzte diese Auswahl, zumal ihn die l\u00e4stigen Reisen w\u00e4hrend eines Kriegszuges mit zunehmenden Alter immer unangenehmer wurden. Zu viele Kompromisse f\u00fcr zu wenig Spa\u00df. Er blieb lieber daheim und lie\u00df sich beliefern, statt selbst auf die Jagd zu gehen.<!--more--><br \/>\nSo schlenderte er nur wenig sp\u00e4ter die Schneise der Verw\u00fcstung entlang, als sein Blick auf ein Geschwisterpaar fiel, das im Ballspiel versunken alle Vorsicht au\u00dfer acht lie\u00df. Die kleinen Menschen hatten nicht einmal die Chance zu schreien, als der D\u00e4mon sie ergriff und bewu\u00dftlos schlug, bevor er sie in seinen gro\u00dfen Sack steckte. Jeljabab liebte kostenloses Futter und der Tag schien ihm sch\u00f6n.<br \/>\nAls er sich umdrehte, erblickte er ein kleines Ghoulm\u00e4dchen, das ihn durchdringend mit seltsam gr\u00fcnen Augen anstarrte. Auch besa\u00df sie ungew\u00f6hnlich viele Haare auf dem Kopf. Nie zuvor hatte der D\u00e4mon so ein Wesen gesehen. Weder neigten Menschenm\u00e4nner dazu, sich an den kleinen, schleimigen Ghoulweibchen zu versuchen, noch hatte er je geh\u00f6rt, da\u00df Ghoulm\u00e4nnchen Menschenfrauen geschw\u00e4ngert h\u00e4tten. Gefressen ja, aber geschw\u00e4ngert?<br \/>\nDer D\u00e4mon beschlo\u00df, seinen Speiseplan um diese seltene Delikatesse zu erweitern.<br \/>\nDas Ghoulkind schien \u00fcberrascht und erschrocken, als er sie ansprang, versuchte auch verzweifelt zu entkommen, aber der Schleim, mit dem sein K\u00f6rper \u00fcberzogen war, half ihm trotz aller Zappelei nicht, dem harten Griff krallenbewehrter H\u00e4nde zu entkommen. Ruckzuck war das dritte Kind im Sack und Jeljabab machte sich auf in Richtung Heimat, am\u00fcsiert \u00fcber die unfl\u00e4tigen Beschimpfungen, die das Ghoulm\u00e4dchen aus seinem derzeitigen Aufenthaltsort heraus an ihn richtete.<\/p>\n<p>Als Jeljabab seine Wohnh\u00f6hle erreichte, hatte er beschlossen, das Wesen, das ihm kaum bis zum Knie ging, zu seiner neuen Geliebten zu machen, denn selten hatte er so farbenfrohe und bildhafte Beleidigungen genossen. Weniger als die H\u00e4lfte davon waren ihm bekannt gewesen.<br \/>\nEr \u00f6ffnete den Sack und sch\u00fcttelte sein Fr\u00fchst\u00fcck heraus, das tief in die Futtergrube fiel.<br \/>\nDie schlaffen K\u00f6rper der Menschenkinder prallten auf dem Boden auf, w\u00e4hrend sie als weiche Unterlage f\u00fcr die Landung des Ghoulm\u00e4dchens dienten.<br \/>\n\u00bbDu stinkender Trollarsch, la\u00df mich sofort frei oder meine Familie wird dich in den Boden stampfen, da\u00df nicht einmal Uschak an deinen Resten nagen mag!\u00ab fauchte die Kleine.<br \/>\nJeljabab hatte keine Ahnung, wer Uschak sein k\u00f6nnte, es interessierte ihn auch nicht. Er fand die Idee am\u00fcsant, da\u00df eine Horde Ghoule versuchen k\u00f6nnte, einen so m\u00e4chtigen D\u00e4monen wie ihn anzugreifen.\u00a0 Das w\u00e4re nichts anderes als Futter f\u00fcr viele Tage. Und das sagte er dem Kind h\u00f6hnisch lachend.<br \/>\n\u00bbDu wirst schon sehen! Sie kommen und vernichten dich!\u00ab zischte die Halbghoulin.<br \/>\nDoch der D\u00e4mon lachte nur, legte die schwere Steinplatte \u00fcber die Grube und ging, seine Lieblingskonkubine zu t\u00f6ten.<br \/>\nDieses kleine, freche M\u00e4dchen aus der Grube zu einer willigen Sklavin zu machen, schien ihm ein entz\u00fcckender Zeitvertreib zu sein. Da st\u00f6rte die Vorg\u00e4ngerin nur.<\/p>\n<p>Die Sonne versank am Horizont, als sich der D\u00e4mon endlich seiner alten Geliebten entledigt hatte. Ihr Schreien und Wimmern hatte ihn doch mehr erfreut, als er zuvor gedacht hatte, und satt war er nun auch.<br \/>\nAls er die Grube \u00f6ffnete, starrten ihn drei Augenpaare an, zwei voller Angst und Schrecken, und das dritte, das intensiv gr\u00fcn leuchtet, voller Ha\u00df.<br \/>\n\u00bbDu hast eine Seele gefressen, du Sohn eines Dunghaufens!\u00ab<br \/>\nJeljabab verhielt in der Bewegung. Woher konnte die Kleine das wissen? \u00bbWas sagst du da?\u00ab<br \/>\n\u00bbDu hast es geh\u00f6rt, Ogerdreck, du hast eine Seele gefressen! Da h\u00f6rt der Spa\u00df auf! Du hast die G\u00f6ttin bestohlen!\u00ab Das Ghoulm\u00e4dchen spuckte ihre Anschuldigung f\u00f6rmlich heraus.<br \/>\n\u00bbG\u00f6tter interessieren mich nicht!\u00ab Der D\u00e4mon grunzte unwillig und griff nach unten, versuchte sich das M\u00e4dchen zu greifen.<br \/>\n\u00bbMich aber!\u00ab Das Kind hob ein Medaillon und ein Spiegel reflektierte f\u00fcr einen Augenblick die kahlen W\u00e4nde der Grube, bevor er zu explodieren schien.<br \/>\nJeljabab erstarrte f\u00fcr einen winzigen Augenblick, als ein Werwolf aus dem Spiegel sprang, sofort den Grubenrand erklomm und ihn angriff. Hier in seinem eigenen Reich! Und dem ersten folgten weitere wild knurrende Werw\u00f6lfe, dazwischen immer wieder Ghoule, die von den Werw\u00f6lfen aus der Grube geworfen wurden, um Platz zu schaffen f\u00fcr die nachfolgenden Bestien, die sich gegenseitig fast niedertrampelten bei dem Versuch, den D\u00e4mon anzugreifen und zu verletzen.<br \/>\nRei\u00dfz\u00e4hne bohrten sich in dessen Fleisch, Krallen zerrissen seine Bauchdecke und zerrten an seinen Eingeweiden, knurrend und geifernd suchten sie, ihn in St\u00fccke zu rei\u00dfen, und Jeljabab begriff, da\u00df er in Gefahr schwebte.<br \/>\nEr versuchte einen Bannspruch, doch bevor er noch die winzigen erforderlichen Bewegungen, die den Zauber begleiteten, beenden konnte, fehlten ihm pl\u00f6tzlich die ben\u00f6tigten Finger, verschwanden in wutverzerrten Ghoulm\u00e4ulern.<br \/>\nDer Feuersto\u00df aus Jeljababs Magen verbrannte ihm nur selbst das halbe Gesicht, denn einer der Werw\u00f6lfe schien diese Art des Angriffs geahnt zu haben und verbi\u00df sich so in das d\u00e4monische Gesicht, da\u00df dieser nicht mehr seinen Mund \u00f6ffnen konnte.<br \/>\nVoller Verzweiflung versuchte der D\u00e4mon nun, seinen Gegnern die Seelen aus dem Leib zu saugen, hochgradig erregt bei dem blo\u00dfen Gedanken an diese Tat, obwohl sein Geschlechtsteil sich gerade in den Klauen einer W\u00f6lfin befand, die es aus seinem Leib gerissen hatte.<br \/>\nDoch die Werw\u00f6lfe schienen die neue Form des Angriffes zu sp\u00fcren und sprangen zur\u00fcck an die Wand, machten Platz f\u00fcr ein fremdartiges Wesen, das gro\u00df, schlank, menschenartig, doch mit m\u00e4chtigen schwarzen Schwingen ausgestattet, aus der Grube schwebte.<br \/>\n\u00bbIch klage dich an der Seelenfresserei. Du vernichtest die Seelen, die der Todin geh\u00f6ren. Ich klage dich an, deine eigene Seele vor der Todin zu verbergen, dein Leben zu verl\u00e4ngern und vor der Todin zu fliehen. Ich klage dich an, ich verurteile dich, und ich werde das Urteil vollstrecken. Im Namen der Todin.\u00ab<br \/>\nNojikina griff zu, ri\u00df das Herz aus dem D\u00e4mon und mit ihm die Lebensessenz des D\u00e4monen, seine Seele und die Seelen jener, die er im Laufe seines Daseins gefressen hatte.<br \/>\nJeljabab sp\u00fcrte seine Kr\u00e4fte schwinden, wurde in einem Augenblick zu einem alten, sterbenden Menschen und das letzte was er angstgesch\u00fcttelt sah, bevor er zu Staub zerfiel, waren die gr\u00fcnen, leuchtenden Augen Nojikinas, die denen des Ghoulm\u00e4dchens so \u00e4hnelten, und das letzte, was er h\u00f6rte, waren deren Worte: \u00bbDu hast meine kleine Schwester erschreckt.\u00ab<\/p>\n<p>Der D\u00e4monenrat trat zusammen.<br \/>\n\u00bbSie haben es gewagt. Sie haben einen D\u00e4mon get\u00f6tet. Hier in Ureban na Xertes! Es wird Zeit, ihrem Treiben Einhalt zu gebieten!\u00ab<br \/>\nDie versammelten D\u00e4monen nickten. Es w\u00fcrde ein Leichtes sein, die l\u00e4stigen Bewohner Feuerlands zu vernichten. Eine Kleinigkeit, kaum der Rede wert.<\/p>\n<p>Aus den Chroniken des Feuerland-Krieges<br \/>\nTeil 1<br \/>\nJeljababs schlechter Tag<br \/>\nBritta Ketelsen<br \/>\nGr\u00fcnberg, August 2008<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte von Britta Ketelsen Manchmal\u00a0 sind es die kleinen Dinge, die geschehen und die gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen nach sich ziehen. Jeljabab hatte diesen Tag begonnen wie so viele Tage zuvor in den letzten hundert Jahren. 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