{"id":191,"date":"2022-06-11T12:26:57","date_gmt":"2022-06-11T11:26:57","guid":{"rendered":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/?p=191"},"modified":"2022-06-11T12:26:57","modified_gmt":"2022-06-11T11:26:57","slug":"der-friedhof-der-namenlosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/der-friedhof-der-namenlosen\/","title":{"rendered":"Der Friedhof der Namenlosen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die B\u00f6senachtgeschichten werden den jungen Hordlingen am Abend erz\u00e4hlt, damit sie nerv\u00f6s und unruhig schlafen, Respekt und Furcht vor der Obrigkeit haben, sowie der Welt da drau\u00dfen mit Misstrauen und Kampfbereitschaft begegnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der junge Dzaak lebte in Ureban Na Xertes, dort lernte er den Beruf des Schwertmagiers, des Magiskers. Eines Nachmittags suchte Dzaak am Rande der Stadt den Friedhof der Namenlosen. Er wollte seinen toten Onkel besuchen und von ihm Zauber lernen. An geraden Tagen fand man den Friedhof mehr im Est der Stadt und an den anderen Tagen eher im Wes. Auf diesem Totenacker wurden die Toten gesammelt, die man \u00fcberall in Ureban fand und die niemand kannte oder niemand kennen wollte. Er war aber auch sonst recht beliebt f\u00fcr Beerdigungen, denn es lag ein Fluch \u00fcber dem Friedhof. Dieser war dergestalt, dass dort jeder seinen Gesch\u00e4ften unter dem Schutz des W\u00e4chters gefahrlos nachgehen konnte; doch nur bis Mitternacht. Wer sich nach Mitternacht auf dem Friedhof aufhielt, dem w\u00fcrde Schreckliches geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der junge Mann wusste dies, als er den Friedhof betrat. Er ging an dem W\u00e4chter und Totengr\u00e4ber vorbei, einem riesigen Gesch\u00f6pf, das \u00fcber und \u00fcber mit ekelhaften Schw\u00e4ren bedeckt war. Dieser W\u00e4chter der Toten und war seit Urgedenken dort, und er wachte \u00fcber den Friedhof. Dzaak beeilte sich bei seinem Onkel, aber dieser war schlechter Laune. Er wehrte sich nach der Erweckung und knirschte grauslich mit den Zahnstummel. Er wollte von seinem Wissen nichts preisgeben, aber Dzaak wusste Rat. Er brannte ein wei\u00dfes Feuer unter dem Geist des Toten ab, bis dieser seinen Schmerz in den Himmel schrie. Dann sagte er hastig einige Zauberformeln auf, die Dzaak gierig aufsog.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter ging der Magisker die Reihen der Gr\u00e4ber entlang und betrachtete sie. Er war nicht sehr in Eile, es war die Zeit der Eule, eine ganze Weile vor Mitternacht. Es ging vorbei an Gr\u00e4bern, Grabm\u00e4lern und Gruften, vorbei an Steinen, S\u00e4ulen und Steinb\u00e4nken und an Statuen und grob behauenen Stelen. Bei einige Grabst\u00e4tten zeigten Bilder, was die Toten im Leben getan hatten, andere trugen hasserf\u00fcllte Inschriften oder waren sehr schlicht. Da war da ein Grabmal, das zeigte einen schwarzen Engel, dessen Fl\u00fcgel brannten. Davor kniete eine Frau, in T\u00fccher geh\u00fcllt. Dzaak blieb stehen, und beobachtete sie. Sie stand auf, ging die Allee entlang und Dzaak folgte ihr neugierig, ohne Grund, nur um zu sehen, wohin sie wolle. Je l\u00e4nger er sie ansah, desto mehr schien sie ihm \u00fcber die Ma\u00dfen sch\u00f6n und elegant. Sie gingen eine Weile und sein Blick ruhte auf ihren H\u00fcften und den Bewegungen des Ges\u00e4\u00dfes, das sich anmutig unter dem glatten Stoff bewegte. Die Gr\u00e4ber zogen an ihm vorbei, aber er beachtete sie nicht, sein Blick folgte den sanften Bewegungen vor ihm, er konnte nicht anders.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Ein Stock brach unter dem Fu\u00dfe des Magiskers und er schrak auf, um wilde Blicke um sich zu werfen. Die Frau war nirgends mehr zu sehen. Die Glocken der Verheerung klangen in der Ferne, Mitternacht war nicht mehr weit. Er rannte los, doch er wusste nicht wo er war. Die Grabsteine an den Seiten wurden immer gr\u00f6\u00dfer und die Schrift darauf begann zu gl\u00fchen. Er stolperte und st\u00fcrzte vor einer dicken S\u00e4ule zu Boden, auf der in gr\u00fcnen, fahl leuchtenden Lettern stand \u00bbDzaak der Magisker\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs ist nach Mitternacht, du musst sterben\u00ab, sagte der gr\u00e4ssliche Totenw\u00e4chter zu dem jungen Mann und griff ihn mit seine furchtbaren Klauen an. Dzaak fasste sich, sprang beiseite und entging dem Angriff. Der Kampf wogte hin und her, bis es Dzaak gelang, den Zauber einzusetzen, den er in seinem toten Onkel entrissen hatte. Die Nacht hielt den Atem an, als sich seine Klinge in einen Blitz aus schwarzem Licht verwandelte, der die Klauen der Kreatur abtrennte und dazu noch das halbe Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas hast Du nun davon, Elender\u00ab, sagt der Magisker und spuckte auf den Totengr\u00e4ber. Aber dieser begann im Sterben zu lachen. \u00bbDu Dummkopf, du hast den Fluch gebrochen, und mich befreit. H\u00e4ttest Du verloren, dann w\u00e4rest Du nur tot. Aber du hast mich besiegt, und du wirst jetzt an meine Stelle treten, um dem Friedhof zu dienen.\u00ab Dzaak begann zu schreien, als seine H\u00e4nde zu Klauen wurden und die Haut aufsprang, um n\u00e4ssende, juckende Schw\u00e4ren frei zu legen. Mit verzerrter Stimme rief er sein Entsetzen in die Stadt hinaus. Doch Ureban reagierte, wie sie immer reagiert, mit Gleichg\u00fcltigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so es es noch heute Dzaak der Magisker, der als verzerrter W\u00e4chter den Friedhof der Namenlosen bewacht, und auf einen Dummkopf wartet.<\/p>\n\n\n\n<p>DER FRIEDHOF DER NAMENLOSEN<br>Klaus Erichsen<br>November 2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die B\u00f6senachtgeschichten werden den jungen Hordlingen am Abend erz\u00e4hlt, damit sie nerv\u00f6s und unruhig schlafen, Respekt und Furcht vor der Obrigkeit haben, sowie der Welt da drau\u00dfen mit Misstrauen und Kampfbereitschaft begegnen. 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