{"id":183,"date":"2022-02-06T19:05:59","date_gmt":"2022-02-06T18:05:59","guid":{"rendered":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/?p=183"},"modified":"2022-02-06T19:05:59","modified_gmt":"2022-02-06T18:05:59","slug":"einhundert-goldstuecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horde-der-finsternis.de\/wordpress\/einhundert-goldstuecke\/","title":{"rendered":"Einhundert Goldst\u00fccke"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine B\u00f6senachtgeschichte<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die Tradition der B\u00f6senachtgeschichten bei der Horde wird gerne gepflegt. Damit werden die Kleinen schon fr\u00fch durch lehrreiche Erz\u00e4hlungen auf die Widrigkeiten des Lebens und die ausgepr\u00e4gte Feindlichkeit der Welt vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor langer Zeit herrschte die sch\u00f6ne Lydia von Stauss, halb hordische D\u00e4monin und halb Vampirin, \u00fcber ein gro\u00dfes, fruchtbares Tal in einem K\u00f6nigreich im Wes. Lydia war beliebt im Tal, und die Menschen f\u00fcrchteten sie nicht, denn sie hatte geschworen, nie ihre Blutlust an den Untertanen auszulassen und das Tal zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die jungen M\u00e4nner liebten und verehrten sie, denn sie pflegte immer 10 von ihnen um sich zu scharen, und ein jeder von ihnen w\u00e4re gerne dazu auserw\u00e4hlt. Lydia, so hie\u00df es, w\u00e4re uners\u00e4ttlich, was die k\u00f6rperliche Liebe anging, und die kraftstrotzenden J\u00fcnglinge dienten ihrer Befriedigung. Lydia nannte diese M\u00e4nner ihre Goldst\u00fccke. Diese waren ihr stets einige Jahre zu Diensten, um dann nach dem Ende dieser Zeit reich belohnt hinaus in die Welt zu ziehen, meist an den Hofe des K\u00f6nigs.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sch\u00f6ne Talherrin liebte das Spiel der Geschlechter. Sie steigerte ihre Lust oft mit schwarzen Leichenpilzen, und dann mussten ihre Geliebten sie die halbe Nacht verw\u00f6hnen. Sie bestiegen sie auf diese und auf jene Art, leckten sie hier und dort, und sie wurde \u00fcberall gesto\u00dfen und gestreichelt, und viele Dinge mehr. W\u00e4re das jemals \u00fcber die Mauern des Schlosses getragen worden, die eine H\u00e4lfte des K\u00f6nigreiches w\u00e4re err\u00f6tet und die anderen H\u00e4lfte vor Neid erblasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spiele mit den zehn Gespielen f\u00fcllten die langen N\u00e4chte voller Lustbarkeiten: Gerne wurde \u203aBauer und Schwein\u2039 gespielt; daf\u00fcr brauchte man immer einige Gardinen und ein paar Gerten. Und sehr beliebt bei allen war \u203aHeute Nacht wird gejagt\u2039, das sich durch alle Keller und G\u00e4nge zog. Oft endete die Nacht oben auf der Dachterrasse, von wo aus Lydias Schreie der Lust \u00fcber das Tal schallten. \u00bbWenn es Lydia gut geht, dann geht es dem Tal gut\u00ab, knurrten die Bauern in ihren Stuben. Und die jungen M\u00e4nner, die das h\u00f6rten, tr\u00e4umten davon, das sie einst dort im Schlosse dienen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>An einem sch\u00f6nen Nachmittag, da war es wieder einmal so weit, ein Dienst w\u00fcrde enden. Lydia von Stauss rief einen der jungen M\u00e4nner herbei. \u203aZum Tee\u2039 hie\u00df es. Aber alle wussten, was damit gemeint war. \u00bbNur herein\u00ab, sagte die Sch\u00f6ne zu dem jungen Mann Sie trug nur ein wenig T\u00fcll und Perlen. \u00bbEuer Dienst endet nun. Aber lasst uns an diesem sch\u00f6nen Tage noch einmal der Freude fr\u00f6nen\u00ab. Sprachs und zog ihn mit gieriger Z\u00e4rtlichkeit zu sich heran.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Junge Mann erwachte irgendwann sp\u00e4ter, die Sonne versank hinter den H\u00fcgeln. Eine unendliche, bleierne M\u00fcdigkeit erf\u00fcllte ihn. Er f\u00fchlte Schmerz an seinem Hals, und als er unwillk\u00fcrlich an die Stelle fasste, ertastete er zwei kleine Wunden und N\u00e4sse. Blut klebte an seiner Hand, als er sie ansah. Er blickte auf und sah Lydia, sie stand seitlich vor ihm und l\u00e4chelte schmallippig. Sie sagte: \u00bbDanke f\u00fcr alles, mein Liebster\u00ab und verlie\u00df den Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSchau mich an\u00ab, sagte ein unscheinbarer Mann, der ihm gegen\u00fcber sa\u00df, und ihn intensiv ansah. Der Mann begann merkw\u00fcrdig zu zucken und zu keuchen. Der junge Geliebte konnte nicht glauben, was er sah: Die Gestalt des Mannes verlief wie hei\u00dfes Wachs, nur um sich dann neu zu formen. Am Ende sa\u00df er seinem Ebenbild gegen\u00fcber. Der Gestaltwandler stand auf, trat zu ihm und sagte: \u00bbNun werde ich an deiner Statt davon reiten. Ich werde allen sagen, das es an den Hof des K\u00f6nigs geht, wo mich eine gute Position erwartet. Und alle deine Freunde werde dich bald vergessen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten Worte hatte der abgelegte Gespiele schon nicht mehr geh\u00f6rt. Der Blutverlust lie\u00df ihn in die Bewusstlosigkeit gleiten. Durch ein zur Seite geschobenes Paneel an der Wand trat ein Ghoul, der den Liegenden ergriff und mit sich zerrte. Er \u00e4chzte und murmelte vor sich hin: \u00bbDein K\u00f6rper wei\u00dft du, der dient der Herrin, so oder so. Du wirst ein guter N\u00e4hrboden sein, mein toter Freund. Ich lege dich zu den anderen, keine Sorge, du liegst nicht allein. Die Sporen werden in dir keimen und nach ein paar Wochen tr\u00e4gst Du die besten, schwarzen Leichenpilze. Das wird Lydia erfreuen, sie braucht viele davon.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend sa\u00df der Gestaltwandler in einem Rasthof vor dem Kamin. Lydia zahlte gut; in seiner Hand hielt er zufrieden eine Goldm\u00fcnze des Reiches. Sie trug auf der einen Seite ein stilisiertes Portrait von Sataki und auf der anderen eine Rune. Das war die einhundertste M\u00fcnze f\u00fcr seine Dienste f\u00fcr Lydia von Stauss.<\/p>\n\n\n\n<p>EINHUNDERT GOLDST\u00dcCKE<br>Klaus Erichsen<br>November 2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine B\u00f6senachtgeschichte Die Tradition der B\u00f6senachtgeschichten bei der Horde wird gerne gepflegt. Damit werden die Kleinen schon fr\u00fch durch lehrreiche Erz\u00e4hlungen auf die Widrigkeiten des Lebens und die ausgepr\u00e4gte Feindlichkeit der Welt vorbereitet. 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